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Bachelor-Studiengänge: Falsche Wahl für Hochbegabte?
Das Klientel der psychosozialen Beratungsstellen an den Universitäten steht im Wandel: Immer früher suchen Studierende Hilfe bei den Beratern - darunter auch immer mehr Hochbegabte. Wieder eine Folge der Bachelor-Studiengänge?
Bachelor bietet zu wenig Freiräume
Die Berater der psychosozialen Betreuungsstellen der Hochschulen haben derzeit verstärkt mit Studierenden zu tun, von denen man es gemeinhin nicht erwartet: Aktuell steigt die Zahl Hochbegabter und besonders kreativer Studenten, die eine Beratung in Anspruch nehmen.
Erneut werden hier die Gründe in den Bachelor-Studiengängen gesucht. Dass Studierende durch die neuen Studienordnungen zunehmend mit Leistungs- und Prüfungsdruck zu kämpfen haben, ist nicht neu. Man könnte meinen, dass gerade Hochbegabte damit die wenigsten Probleme haben sollten. Tatsächlich liegt das Problem hier im System Bachelor. Die komprimierten Studienordnungen lassen keinen Freiraum zu, bestimmte Themen detaillierter zu erforschen - zum Leidwesen hochbegabter Studenten: "Vor allem Studenten, die sich gerne intensiv mit einem Thema beschäftigen und sich nicht nur oberflächlich berieseln lassen wollen, haben Probleme", so Uwe Köppe vom Studentenwerk Thüringen. Das Klientel habe sich in den vergangenen Jahren deutlich geändert. Seit Einführung des Bachelors sei es keine Seltenheit mehr, dass Studenten mit einem Notendurchschnitt von 1,0 in die Beratungen kommen.
Lernschwächen angehen
Doch nicht nur von Hochbegabten werden die Beratungsstellen verstärkt in Anspruch genommen: Auch im Allgemeinen suchen immer mehr Studierende Unterstützung in den Beratungsstellen. Gründe sind Lernprobleme, Prüfungsangst sowie Schwierigkeiten in der Uni als auch im Privatleben. Besonderen Anklang findet aber die Vermittlung von Lernstrategien. Studierende sind gerade zu Beginn oft damit überfordert, eigenständig Prüfungsstoff zu recherchieren, zu beschaffen und effektiv zu bearbeiten.
Die Ursachen liegen bereits in der Schule begründet, wo die Schüler meist nur unzureichend auf den universitären Alltag und die Anforderungen vorbereitet und eingestimmt werden. Schüler lernen schlichtweg oft nicht, wie man richtig lernt und eigenständig arbeitet. An der Uni selbst gibt es zudem keine "Eingewöhnungsphasen". "Studenten kommen an den Hochschulen an und es heißt: Du bist Student, du musst wissen, wie das hier funktioniert." erklärt Uwe Köpper. Die oft unübersichtliche Organisationsstruktur und Anonymität an vielen Universitäten und Hochschulen ist die erste Hürde, die der Neu-Student zu überwinden hat. Das Gefühl von Kontrolle schwindet zunehmend - zusätzlich verstärkt durch den Prüfungsdruck. Dies hat natürlich zur Folge, dass eine falsche Studienwahl natürlich schneller auffällt, kostet den Studierenden aber wertvolle Zeit, sich auf die Anforderungen der Uni einzustellen.
Auf das richtige Lernen einstimmen
In der Tat wäre vielen Studierende geholfen, wenn die Universitäten konkrete Kurse zum "richtigen" Lernen anböten und Schulen die potenziellen Studenten bereits früh auf die Anforderungen im Studium vorbereiten. Bis dies soweit ist, werden auch zukünftig die Berater der Studentenwerke gefordert sein, Studierende bei Problemen mit Leistungsdruck, Prüfungsangst und Lernschwächen gezielt zu unterstützen.





