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Neuer Rekord an deutschen Unis: 2,2 Millionen Studenten
Mit über 440.000 Erstsemestern verzeichnen deutsche Universitäten einen neuen Rekord. Insgesamt studieren 2,2 Millionen Studenten in Deutschland - so viel wie nie.
Wie das Statistische Bundesamt am vergangen Mittwoch, 24.11.2010 bekannt gab, haben in diesem Sommer- und Wintersemester zusammen ganze 442.600 junge Menschen ihr Studium aufgenommen. Dies sind 4 Prozent mehr als noch in 2009. Wie kommt es zu diesem Rekord? Gründe gibt es dazu viele. Dass das Studium so beliebt sei wie nie zuvor, damit argumentiert Bildungsministerin Annette Schavan. Gleichzeitig begründet die Ministerin den Run auf die Unis mit dem Erfolg des Hochschulpakts 2020 und der BAföG-Reform. Doch ist dem tatsächlich so? Die Reform wurde schließlich erst Mitte Oktober tatsächlich beschlossen. Dass die Studierenden ihre Entscheidung für das Studium davon abhängig gemacht haben, kann bezweifelt werden.
Man kann nun spekulieren, womit der rapide Anstieg der Studierenden zu begründen ist. An der politischen Lage wird es jedoch kaum liegen, blickt man auf die teils massiven Proteste an den Hochschulen, auf die Demonstrationen, Meldungen über gnadenlos überfüllte Hörsäle und die Pannen bei der Bologna-Reform zurück. Vielmehr ist der Anstieg der Studentenzahlen ein Zeichen für die hohe Bedeutung eines Studiums, eben trotz dieser zahlreichen (politischen) Probleme und Pannen. Doch die Zahl der Studienanfänger wird vielmehr noch von zahlreichen anderen Faktoren beeinflusst:
- Wie geburtenstark sind die entsprechenden Jahrgänge?
- Wie beliebt sind die Universitäten bei ausländischen Studierenden?
- Werden Studiengebühren abgeschafft?
- Doppelte Abiturjahrgänge
Aufschwung West
Blick man auf die Zahlen in den einzelnen Bundesländern, verzeichnen die westlichen Bundesländer deutlich mehr Studierende als der Osten Deutschlands. Starken Zuwachs mit rund 13 Prozent haben vor allem die Universitäten im Saarland erhalten. Hier kann man den Zuwachs zum Teil auf die doppelten Abiturjahrgänge im letzen Jahr zurückführen. In Bayern stieg die Zahl der Studierenden um 9 Prozent, in NRW und Berlin sind es je 8 Prozent. Im kommenden Jahr sind zusätzlich die besonders einwohnerstarken Länder Bayern und Niedersachsen mit den doppelten Abiturjahrgängen dran. 2012 schließen die Bundesländer Brandenburg, Bade-Württemberg, Berlin und Bremen ebenfalls auf.
Deutlich weniger Zuwachs verzeichnen die Universitäten im Osten Deutschlands, teilweise sinken die Erstsemesterzahlen sogar. Statistisch wird dies hier mit dem Geburtenknick von 1990 begründet. Wer also noch einen Studienplatz sucht und nicht ortsgebunden ist, der tut gut daran, sich die Universitäten in Ostdeutschland einmal genauer anzuschauen.
Wie soll das finanziert werden?
Mit der steigenden Zahl der Studierenden in Deutschland werden auch die Diskussionen um die Finanzierungsmöglichkeiten wieder laut. „Die Länder haben große Schwierigkeiten, ihren Verpflichtungen bei der Finanzierung der Hochschulen nachzukommen“, erklärt Margret Wintermantel, Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz. Sie fordert eine Zusammenarbeit von Bund und Ländern, um einem fortschreitenden Stellenabbau und Kürzungen entgegenzuwirken. Um die an die Unis drängenden jungen Menschen gerecht werden zu können und eine angemessene Ausbildung zu gewährleisten, würden über 2 Milliarden Euro nötig sein. Alternativ drohen den zukünftigen Studierenden zusätzliche Beschränkungen durch härtere NCs. In diesem Zusammenhang werden Proteste auch von Seiten der Universitäten laut. So kündigte der Rektor der Universität Regensburg für das kommende Jahr an, dass im kommenden Jahr rund 600 Seminare mit dem Zusatz „Wegen Kürzung gestrichen“ im kommenden Vorlesungsverzeichnis aufgeführt werden sollen.
Weitere Konsequenzen wirft auch das Deutsche Studentenwerk (DSW) auf, auf die man vorbereitet sein müsse. So fordert der Präsident des DSW, Rolf Dobischat, dass die Länder auf die neue Erstsemesterschwemme vorbereitet sein und vor allem für ausreichende Studienplätze und bezahlbare Unterkünfte sorgen müssen.
Ausblick 2011
Im kommenden Jahr werden einige Faktoren zusammentreffen, die die Studierendenzahlen noch drastischer ansteigen lassen könnten. Zum einen sind das die weiteren doppelten Abiturjahrgänge in einigen Bundesländern. Zum anderen ist das das geplante Aussetzen der Wehrpflicht. Diese könnte bedingen, dass im kommenden Jahr noch zusätzliche 60.000 Studieninteressierte an die Universitäten drängen. Hier werden erneut Diskrepanzen zwischen Bund und Ländern deutlich: „Für diese Aufgabe, die unmittelbar Folge der Wehrreform ist, muss auch der Bund Verantwortung übernehmen. Wir wollen dafür vom Bund eine faire und tragfähige Lösung“, fordert Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer.





