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Alles oder nichts: Karriere in der Wissenschaft bedeutet Unsicherheit

Jahrelanges Durchschlagen auf befristeten Stellen, Verzicht auf Familienplanung und mangelnde Zukunftsperspektiven – wer sich für eine wissenschaftliche Karriere entscheidet, nimmt einige Unsicherheiten in Kauf. Dennoch beschreiben junge Akademiker/-innen ihre Tätigkeit in Wissenschaft und Forschung als erfüllend.

Zufrieden mit Bedingungen und Inhalten der Arbeit - nicht jedoch mit dem "Berufsnomadentum"

Selbstbestimmt und den eigenen Interessen entsprechend arbeiten – der Beruf „Wissenschafter“ ist für viele ein erstrebenswertes und attraktives Ziel. Dies ist das Ergebnis einer Studie des HIS-Institut für Hochschulforschung (HIS-HF), die 2034 Nachwuchswissenschaftler an Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen befragte, wie sie ihre berufliche Situation beurteilen.

Dass sich trotz Spaß an der Arbeit einige gegen diesen Beruf entscheiden, liegt daran, dass er vor allem eine Reise ins Ungewisse ist. "Die Gefahr nach jahrelangem ‚durchschlagen‘ auf befristeten Stellen und einem gewissen ‚Berufsnomadentum‘ am Ende keine permanente Stelle zu bekommen ist hoch. Das Risiko, diesen Weg zu gehen,ist mir persönlich zu hoch, auch wenn ich die Arbeit in der Wissenschaft mag.", so eine der Befragten.

Wissenschaftliche Karriere nicht planbar

Denn eine wissenschaftliche Karriere ist nicht planbar, die Aufstiegsmöglichkeiten sind sehr begrenzt. Die Wahrscheinlichkeit, eine der heiß begehrten Professuren zu bekommen ist „so gering, dass trotz der sehr angenehmen Arbeit und des hervorragenden Arbeitsklimas nur wenige bereit sind, das große Risiko auf sich zu nehmen, jahrelang schlecht bezahlt als Wissenschaftler ohne berufliche Sicherheit zu arbeiten“, erklärt ein befragter Doktorand der Naturwissenschaften in der Studie.

Tatsächlich schlagen sich rund 90 Prozent der Befragten mit befristeten Arbeitsverträgen durch, darunter sowohl Doktoranden als auch wissenschaftliche Mitarbeiter. Und auch eine Vereinbarung von Familie und Beruf scheint in der Wissenschaft eine große Herausforderung. „Weil es in der wissenschaftlichen Forschung fast ausschließlich befristete Stellen gibt, wird es Frauen damit sehr schwer gemacht, eine Familie zu gründen und Kinder zu bekommen. Im Zweifelsfall läuft der Vertrag wahrend der Elternzeit aus und danach steht man auf der Straße.“, befürchtet eine wissenschaftliche Mitarbeiterin der Naturwissenschaften. Doch nicht nur die unsicheren Perspektiven spielen eine Rolle, sondern auch mangelnder Betreuungseinrichtungen für Kinder. Der Appell des Instituts geht an die Hochschulen, die dafür sorgen müssten, dass Wissenschaft und Forschung mit Familie vereinbart werden können.

Was, wenn der Sprung in die Professur nicht klappt?

Und welche Perspektive haben Wissenschaftler, wenn der Sprung in die Professur nicht klappt? „Rund zwei Drittel der befragten Forscherinnen und Forscher sehen sich selbst auf Tätigkeiten außerhalb des Wissenschaftssystems gut vorbereitet“ sagt dazu Steffen Jaksztat vom HIS-Institut für Hochschulforschung, der an der Studie mitgearbeitet hat.

„Da nicht alle dauerhaft an der Hochschule bzw. den außeruniversitären Forschungseinrichtungen verbleiben können, ist es besonders wichtig, dass Nachwuchswissenschaftler nicht nur in fachlicher Hinsicht, sondern auch in anderen Kompetenzbereichen gefördert werden.“, so Projektleiter Kolja Briedis. Denn nur wenige schaffen wirklich den Sprung in die Professur – und eine Habilitation wird im Durchschnitt erst im Alter von 40 Jahren abgeschlossen. Darunter gibt es jedoch nur wenige feste Stellen. Das Motto für den Traumberuf Wissenschaft lautet also: Alles oder nichts.

Hier gibt es die komplette Studie (PDF).