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Comeback des Diplom-Ingenieurs

Der Diplom-Ingenieur stirbt aus? Von wegen! Wer in Mecklenburg-Vorpommern Ingenieurwesen studieren möchte, kann in Zukunft wieder ein Diplomzeugnis bekommen.

Diplom feiert Rückkehr

Elf Jahre nach Start des Bologna-Prozesses feiert jetzt das Diplom seine Rückkehr – zumindest für Studenten der Ingenieurwissenschaften in Mecklenburg-Vorpommern.

Am Mittwoch verabschiedete der Landtag eine entsprechende Novelle des Landeshochschulgesetzes, die vorsieht, dass Studenten von Masterstudiengängen künftig auf Antrag auch ein Diplomzeugnis bekommen können. Die Novelle bringt zudem weitere Änderungen, wie sie sich vermutlich auch viele Studenten in anderen Bundesländern wünschen.

Gütesiegel für deutsche Ingenieure

Gerade der Diplom-Ingenieur gilt als „deutsches Prädikat“, als Gütesiegel für deutsche Ingenieure, das einmalig auf der Welt ist und für besondere Qualität steht. Auch im Ausland genießt das deutsche Diplom noch immer einen hervorragenden Ruf. Diese etablierte Marke wegzuwerfen und durch „Bachelor“ und „Master“ zu ersetzen, halten Kritiker für absurd.

In Österreich existieren die Grade Master und Diplom bereits erfolgreich nebeneinander. Das soll nun auch in Mecklenburg-Vorpommern möglich sein. Für ihr fünfjähriges Diplom-Studium bekommen die Absolventen, die dies wollen, einen Nachweis, dass ihr Diplom gleichwertig zu einem Masterabschluss ist.

Ernst Schmachtenberg, Präsident des Verbandes TU9 German Institutes of Technology und Rektor der RWTH Aachen, erklärte in einer Pressemitteilung: „Es wird auch international keine Anerkennungsprobleme geben. Wer das sagt, hat Bologna nicht verstanden, denn die Bologna-Reform sieht sogenannte diploma-supplements vor, als Ergänzung zur Abschluss-Urkunde, auf denen das Master-Niveau bescheinigt wird.“ Außerdem sieht er in der neuen Regelung einen klaren Wettbewerbsvorteil Mecklenburg-Vorpommerns gegenüber anderen Bundesländern.

"Verwirrspiel" für Studierende und Arbeitgeber?

Die Rückkehr des Diplom-Ingenieurs spaltet jedoch die deutsche Hochschullandschaft. Die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) lief Sturm gegen die Idee. Präsidentin Prof. Dr. Margret Wintermantel warnte in einem Brief an die Landtagsabgeordneten davor, durch die Änderung „entstünde ein in Europa einmaliges Verwirrspiel, das für Studierende und Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber eine neue und unnötige Verkomplizierung mit sich brächte“. Erst 2003 hatte die HRK einstimmig beschlossen, das international anerkannte Diplom durch die neuen Bachelor- und Master-Abschlüsse zu ersetzen.

Auch eine Allianz aus der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, dem Bundesverband der Deutschen Industrie e.V., der IG Metall, des Vereins Deutscher Ingenieure sowie weitere Vereinigungen befürchten durch die Novelle „erheblichen hochschulpolitischen Schaden“, wenn Mecklenburg-Vorpommern sich bezüglich der Studienabschlüsse vom Rest des Landes isoliert: „Probleme bei der Anerkennung und Bewertung von Abschlüssen auch innerhalb Deutschlands wären vorprogrammiert – mit allen schädlichen Folgen für die Mobilität von Studierenden und Absolventen.“

Einwände der Studierenden erhört

Mathias Brodkorb hingegen, hochschulpolitischer Sprecher der SPD im Landtag, der die Novelle maßgeblich vorangetrieben hat, wertet das Abstimmungsergebnis als großen Erfolg für die Hochschulbildung in Mecklenburg-Vorpommern - vor allem deshalb, weil in die Novellierung auch die Einwände der Studierenden eingeflossen sind: „Wir haben deren berechtigte Kritikpunkte ernst genommen und Konsequenzen daraus gezogen. Auf diese Weise ist ein Gesetz entstanden, das die Lehr- und Lernsituation an den Hochschulen entscheidend verbessern wird. Zugleich ist das neue Gesetz konform mit dem Bologna-Prozess und garantiert so, dass die Abschlüsse und Studienleistungen unserer Studierenden international anerkannt bleiben.“

Abgesehen von der Rückkehr des Diploms birgt die Änderung des Hochschulgesetzes in Mecklenburg-Vorpommern auch weitere Umgestaltungen. So wird ein freiwilliger Auslandsaufenthalt während des Studium nicht mehr auf die Regelstudienzeit angerechnet. Ebenfalls können die Hochschulen ihren Studierenden in Zukunft auch ein Teilzeitstudium ermöglichen.

Vorbei sein sollen auch die Zeiten, in denen Bachelor wegen ihrer Note keinen Masterstudienplatz erhielten. Denn diese soll den Zugang künftig nicht mehr pauschal definieren. Und: Es bleibt zukünftig den Hochschulen überlassen, welche Teile des Studiums mit einer Note versehen werden und welche dieser Noten ins Endzeugnis eingehen. Dadurch könnte Schluss sein mit der Prüfungsflut durch Prüfungen zum Abschluss jedes Seminars.