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Bologna-Reform: So sieht es international aus

Ein einheitlicher europäischer Hochschulraum und einheitliche Studienabschlüsse: Studienfreiheit ist das Motto der Bologna-Reform. Aber wie ist die aktuelle Lage im Vergleich mit anderen Ländern? Und wie sieht es mit unseren europäischen Nachbarn aus?

Offene Punkte zur Bologna-Reform gibt es in Deutschland bis dato immer noch zuhauf. Ein gutes Beispiel ist die Diskussion um die Wiedereinführung des traditionellen Diplom-Abschlusses. Besonders gut hingegen sieht es mit der Akkreditierung der Studiengänge aus: Hier steht Deutschland an vorderster Stelle, auch wenn die tatsächliche Studierbarkeit noch aussteht. Wie ist die Situation in anderen europäischen Ländern?

Skandinavien führt bei der Bologna-Umstellung

Dass die nordischen Universitäten im Bologna-Report-2009 die Liste anführten, verwundert eigentlich keinen. In kaum anderen Ländern erfolgte die Umstellung hin zu Bachleor und Master so schnell wie in Skandinavien. So existieren derzeit  allein an schwedischen Hochschulen rund 500 Masterprogramme und auch Internationalität wird in Dänemark, Schweden, Norwegen und Finnland groß geschrieben.

Oranje äußert beliebt bei deutschen Studierenden

Ganz vorn mit dabei sind ebenfalls die Niederlande. Die Holländer waren nicht nur unter den Ersten, die die Reform im Jahr 2002 beschlossen haben – bereits 2004 waren bereits rund 90 Prozent der Studiengänge umgestellt. Auch internationale Hochschulforscher loben das hohe Maß an Autonomie der Universitäten bei der Reform-Umsetzung als auch das Mitspracherecht der Studenten.


Die zahlreichen zulassungsfreien Bachelor- und Masterstudiengänge und die Nähe zu Deutschland macht die Niederlande umso attraktiver für deutsche Studierende. Lehrstunden in deutsch und englisch und relative kleine Lerngruppen winken und es werden darüber hinaus Studiengänge angeboten, die es in Deutschland nicht gibt, wie etwa Ergotherapie oder auch Pferdemanagement. So kommt es nicht von ungefähr, dass zum Beispiel allein an der Uni Maastricht fast 30 Prozent der ausländischen Studenten aus Deutschland kommt.

Im Mittelfeld: Österreich

Ganz so unproblematisch wie bei den Holländern sieht es bei unseren österreichischen Nachbarn nicht aus. In vielen Studiengängen wie Architektur, Jura, Lehramt oder Medizin herrschen Probleme bei der Umstellung. Dennoch zieht es auch hier zahlreiche Deutsche zum Studieren hin. Im Studienjahr 2008/2009 waren es ganze 17.732 Deutsche an Österreichs Unis, so das österreichische Wirtschaftsministerium Dies bedingen die fehlenden Studiengebühren und Zulassungsbeschränkungen in beliebten Fächern wie Jura, BWL und an medizinischen Hochschulen. Österreichische Hochschulen stehen dem nicht nur positiv entgegen. Bis 2012 existiert jedoch noch eine Inländerquote welche besagt, dass 75 Prozent aller Erstsemester in Medizin und Psychologie an Österreicher gehen müsse. Wie es danach weitergeht, bleibt abzuwarten.


Aber auch andere Probleme machen es den Österreichern schwer: Nachdem der grundsätzliche Beamtenstatus für Hochschulprofessoren in Österreich abgeschafft wurde, zieht es diese wiederum verstärkt an ausländische Unis und Fachhochschulen. Alles in allem ist also auch hier noch einiges zu tun.

Problemkind Griechenland

Obwohl schon seit 1999 bei der Bologna-Reform dabei, ist in Griechenland in Sachen Umstellung des Studiensystems nicht viel passiert. Dazu kommt die ohnehin schon explosive Stimmung an Universitäten durch Frust und mangelnde Perspektiven. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass Austauschstudenten Mangelware in Griechenland sind. Auch Bildungsexperten sehen die die Entwicklung kritisch. Obwohl im Zuge der Finanzkrise europäische Gelder nach Griechenland fließen, bleibt der europäische Einfluss beim Thema Bildung außen vor.