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Bachelor-Studenten gehen seltener ins Ausland

Immer mehr deutsche Studenten gehen ins Ausland – doch immer weniger davon sind Bachelor. Und auch Hochschüler aus einkommensschwachen Familien den Sprung über die Grenze nur selten.

Ein Semester im Ausland ist der Traum vieler Studenten. Eine neue Stadt, neue Leute und eine ganz andere Sprache – einfach mal raus aus dem Alltag in der Uni-Heimat.

Bachelor müssen zu Hause bleiben

Doch während beim Diplom- oder Magisterstudiengang genügend Raum für ein Auslandsstudium blieb, ist dieses heute für viele Bachelor-Studenten aufgrund des straffen Zeitplans unmöglich. Deshalb schaffen es die Studenten der im Zuge des Bolognaprozesses reformierten Studiengänge nur deutlich seltener, einen Auslandsaufenthalt in ihr Studium zu integrieren, als Ihre Kommilitonen, die noch auf Diplom studieren. Zwar gehen im Vergleich zum Jahr 2000 im Jahr 2009 mit 102.500  fast doppelt so viele Studenten während ihres Studiums ins Ausland – doch die Bachelor müssen zu Hause bleiben.

Studie des Hochschul-Informations-Systems

Das ist das Ergebnis einer Studie des Hochschul-Informations-Systems (HIS) im Auftrag der Bundesregierung und des deutschen Studentenwerks (DSW).

Nur halb so viele Bachelor-Studenten gehen ins  Ausland

Mehr als jeder Fünfte (22,7 Prozent) im Diplom- oder Magisterstudium und rund jeder sechste Anwärter auf ein Staatsexamen (17,9) hat bereits im Ausland studiert, dort ein Praktikum oder einen Sprachkurs gemacht. Bei den Bachelorstudenten galt das nur für rund jeden Vierzehnten (7,4), also weniger als halb so viele.  Und selbst in höheren Semestern ist der Anteil der Studenten mit Auslandserfahrung in den traditionellen Studiengängen doppelt so hoch wie im Bachelor.

Woran liegt die geringere Mobilität?  

Der Grund ist nicht etwa an fehlende Motivation. Denn viele Bachelor planen während ihres Studiums einen Aufenthalt im Ausland. Eine Rolle spielt hingegen die geringere Dauer des Studiums. Schließlich ist die mittlere Semesteranzahl der Diplom- und Magisterstudenten aufgrund der höheren Regelstudienzeit mehr als doppelt so hoch wie bei den neuen Studiengängen. Somit bleibt den traditionellen Studiengängen rund 5 Semester länger die Möglichkeit, während des Studiums ins Ausland zu gehen.

Ein Drittel der Studenten plant einen studienbezogenen Auslandsaufenthalt

Und natürlich muss auch beachtet werden, dass viele Studenten einen Auslandsaufenthalt während des Masters durchführen. Denn 30 Prozent der Studenten gaben an, noch einen studienbezogenen Auslandsaufenthalt zu planen.

Soziale Herkunft entscheidet über Auslandsaufenthalt

Und natürlich ist auch die Finanzierung ein wesentlicher Entscheidungsfaktor. Denn die Auslandsmobilität wir deutlich von der sozialen Herkunft der Studenten beeinflusst. So gehen von der unteren Herkunftsgruppe nur rund 11 Prozent ins Ausland, von der oberen 20 Prozent.  Das gilt sowohl für Bachelor-, als auch für Diplom- oder Magister-Studiengänge. Studierende, die BAföG bekommen, gehen seltener ins Ausland als Studierende, die keine Förderung bekommen. Und auch ein Kind stellt ein Studium im Ausland vor nur schwer überwindbare organisatorische und finanzielle Hürden.

Übrigens: Die beliebtesten Zielländer der Studenten sind Österreich, die Niederlande und Großbritannien. Vor allem Studenten der Sprach- und Kulturwissenschaften zieht es ins Ausland, aber auch der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften.