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Zulassungsverfahren

So funktioniert das Zulassungsverfahren zum Studium

Die Stiftung für Hochschulzulassung vergibt die Plätze für zulassungsbeschränkte Studiengänge. Wir erklären den Unterschied zwischen zulassungsfreien und  -beschränkten Studiengängen, wie man den Antrag auf Zulassung stellt und an welchen NC-Werten man sich dabei orientieren kann.

Das Zulassungsverfahren zum Studium unterscheidet sich je nach Studiengang, Studienabschluss und Hochschule.So gibt es bundesweit zulassungsbeschränkte Studiengänge an Universitäten, die durch ein zentrales Zulassungsverfahren vergeben werden und Studiengänge mit örtlichen Zulassungsbeschränkungen an einzelnen Hochschulen. Das zentrale Zulassungsverfahren wird durch die Stiftung für Hochschulzulassung, ehemals Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen (ZVS) geregelt. Davon betroffen sind die Studiengänge Medizin, Tiermedizin, Zahnmedizin und Pharmazie. Abgesehen davon nehmen auch noch andere, besonders beliebte Studiengänge am Service-Verfahren der Stiftung für Hochschulzulassung teil. Ausgewählt wird schließlich nach dem Schnitt der Abiturnote und der Anzahl an Wartesemestern. In den Studiengängen, die am Service-Verfahren teilnehmen, können auch andere Kriterien, wie zum Beispiel eine besondere Eignung für das Studienfach, über die Studienplatzvergabe entscheiden. So gehört zum Beispiel in den Bereichen Kunst oder Design die Anfertigung einer Bewerbungsmappe mit künstlerischen Arbeitsproben zum Bewerbungsprozess.

Zulassungsfreie Studiengänge

Das Zulassungsverfahren zum Studium hängt in erster Linie davon ab, wie gefragt das Studienfach ist. Aber auch die Beliebtheit der Universität spielt eine große Rolle, Ausgefallene Studiengänge, wie Asienwissenschaften oder Latein, sind an den meisten Universitäten zulassungsfrei. Das bedeutet, dass jeder Bewerber auch einen Studienplatz bekommt. Es wird also kein bestimmtes Auswahlverfahren durchgeführt, sodass man sich in der Regel direkt bei der Hochschule für das Studienfach immatrikulieren kann.

Eine generelle Aussage darüber, welche Studiengänge zulassungsfrei sind, lässt sich jedoch nicht treffen, da dies von Universität zu Universität variiert. Wer noch nicht weiß, welches Studienfach für ihn in Frage kommt, findet hier Informationen zur Studienwahl.

Zulassungsbeschränkte Studiengänge

Die meisten Studiengänge haben mehr Bewerber, als freie Plätze vorhanden sind. Wer eines der folgenden Fächer studieren möchte, muss sich über das Zulassungsverfahren der Stiftung für Hochschulzulassung bewerben:

Über diese Studiengänge hinaus nehmen noch einige Hochschule am Service-Verfahren von hochschulstart.de teil. Dabei sammelt hochschulstart.de die Bewerbungen und schickt die aufbereiteten Daten an die Hochschulen. Die erstellen dann wiederum Ranglisten zur Auswahl, die an hochschulstart.de vermittelt werden.

Ablauf des Zulassungsverfahrens bei der Stiftung für Hochschulzulassung

Die Studienplätze werden nach drei verschiedenen Krierien vergeben:

  • 20 Prozent der Studienplätze gehen an die Bewerber mit der besten Abiturnote
  • 20 Prozent der Studienplätze gehen an die Bewerber mit der längsten Wartezeit
  • 60 Prozent der Studienplätze werden in direkter Auswahl durch die Hochschulen vergeben

Bei den 20 Prozent der Studienplätze, die an die Bewerber mit der besten Abiturnote vergeben werden, spielt der Numerus Clausus (NC) eine große Rolle. Der Numerus Clausus wird jedes Jahr neu ermittelt. Er ergibt sich aus dem Verhältnis der zu vergebenden Studienplätze und der Bewerberzahl. Vereinfacht gesagt: Die Bewerber/innen werden nach ihren Abiturnoten sortiert und die besten werden zugelassen. Die Note des letzten, der noch einen Studienplatz bekommen hat, ist der Numerus Clausus. 

NC-Werte des Wintersemesters 2010/11

Die NC-Werte der einzelnen Studiengänge unterscheiden sich je nach Bundesland. Im Studiengang Medizin lagen die NC-Werte im vergangenen Wintersemester 2010/11 zwischen 1,0 und 1,2. So musste, wer im Wintersemester 2010/11 in Nordrhein-Westfalen Medizin studieren wollte mindestens einen Abiturschnitt von 1,1 haben um zugelassen zu werden. Im Studiengang Tiermedizin war der niedrigste NC 1,2 und der höchste 1,6. Im Studiengang Pharmazie lagen die Werte zwischen 1,1 und 1,5 und im Studiengang Zahnmedizin zwischen 1,0 und 1,6.

Zusätzlich zu den NC-Werten ist in der folgenden Übersicht in Klammern die erforderliche Wartezeit (Zahl der Semester) genannt, die als Entscheidungskriterium bei gleicher Durchschnittsnote zur Geltung kommt.

Abitur erworben in ...

Medizin

Pharmazie

Tiermedizin

Zahnmedizin

NC (Wartezeit)
NC (Wartezeit)
NC (Wartezeit)
NC (Wartezeit)
Baden-Württemberg 1,0 (0)
1,3 (0)
1,3 (2) 1,3 (0)
Bayern 1,1 (0)
1,4 (0) 1,4 (0) 1,3 (0)
Berlin 1,2 (0) 1,5 (0) 1,6 (4) 1,5 (0)
Brandenburg 1,0 (0) 1,4 (2) 1,4 (0) 1,3 (0)
Bremen 1,1 (0) 1,1 (0) 1,4 (0) 1,0 (0)
Hamburg 1,1 (0) 1,5 (2) 1,4 (0) 1,5 (0)
Hessen 1,1 (0) 1,3 (0) 1,5 (2) 1,4 (4)
Mecklenburg-Vorpommern 1,1 (0) 1,3 (0) 1,2 (2) 1,3 (0)
Niedersachsen 1,2 (2) 1,4 (0) 1,5 (0) 1,5 (0)
Nordrhein-Westfalen 1,1 (0) 1,5 (0) 1,4 (2) 1,4 (0)
Rheinland-Pfalz 1,1 (2) 1,4 (0) 1,4 (1) 1,6 (4)
Saarland 1,0 (0) 1,3 (0) 1,2 (2) 1,3 (2)
Sachsen 1,1 (0) 1,3 (0) 1,5 (2) 1,3 (2)
Sachsen-Anhalt 1,1 (0) 1,4 (0) 1,4 (0) 1,3 (0)
Schleswig-Holstein 1,2 (0) 1,5 (0) 1,6 (0) 1,5 (4)
Thüringen 1,0 (0) 1,3 (0) 1,2 (0) 1,2 (2)

 

Quelle: Stiftung für Hochschulzulassung

Beispiel für ein Zulassungsverfahren

Die Universität zu Köln hat 70 Plätze für den Studiengang Wirtschaftswissenschaften frei. Es bewerben sich 150 Studieninteressierte. Im Zulassungsverfahren bildet sich die Schnittstelle bei der Abiturnote 2,5. Alle Bewerber, die einen Abiturschnitt von mindestens 2,5 haben, werden zum Studiengang zugelassen. Wenn jetzt aber nur noch 5 Plätze frei sind, jedoch 12 Bewerber einen Abiturschnitt von 2,5 haben, gibt es zwei Möglichkeiten:

1. Wartesemester

Die letzten Plätze im Zulassungsverfahren werden nach der Anzahl der Wartesemester vergeben. Jemand, der einen Abiturschnitt von 2,5 hat und über mehrere Wartesemester verfügt, hat bessere Chancen, einen Platz zu ergattern, als jemand ohne Wartesemester.

Aber was sind eigentlich Wartesemester?

Wartesemester werden ab dem Zeitpunkt berechnet, an dem du deine Hochschulzugangsberechtigung (die allgemeine oder fachgebundene Hochschulreife) erlangt hast. Egal, ob du nach dem Abitur eine Ausbildung begonnen, deinen Grundwehrdienst absolviert oder einen Trip ins Ausland gemacht hast; Wartesemester werden dir im Zulassungsverfahren automatisch angerechnet. Dafür musst du nur das Jahr angeben, in dem du deine Hochschulzugangsberechtigung bekommen hast. Viele Hochschulen vergeben ihre Studienplätze im Zulassungsverfahren zu 60% nach dem Abiturschnitt und zu 40% nach Wartesemestern. So bekommen auch Studieninteressierte mit einem schlechten Abitur die Chance auf einen Platz in ihrem Wunschfach.

2. Losverfahren

Im Zulassungsverfahren kommt es manchmal auch dazu, dass das Los entscheiden muss. Wenn es mehr Bewerber mit einem grenzwertigen Abiturschnitt von 2,5 gibt, als freie Plätze vorhanden sind, kommt es zum Losverfahren. Alle Bewerber mit dem Schnitt von 2,5 kommen dann in einen Topf. Die 5 restlichen Studienplätze werden somit nach dem Zufallsprinzip bestimmt. Das Glück entscheidet hier also darüber, ob du durch das Zulassungsverfahren kommst oder nicht. In den Niederlanden werden beispielsweise alle Studienplätze über das Losverfahren bestimmt. Der Abiturschnitt bzw. die Anzahl von Wartesemestern zählen nicht.

Wie stelle ich den Antrag für einen zulassungsbeschränkten Studienplatz?

Der Antrag auf einen Studienplatz wird online auf der Seite der Stiftung für Hochschulzulassung gestellt, auf der man durch alle nötigen Schritte geleitet wird. Sobald du das Onlineformular ausgefüllt hast, müssen alle schriftlichen Unterlagen per Post an hochschulstart.de gesandt werden (hochschulstart.de, 44128 Dortmund). Dazu gehört:

  • das ausgedruckte und eigenhändig unterschriebene Antragsformular
  • eine amtlich beglaubigte Fotokopie deines Abizeugnisses
  • gegebenenfalls weitere Nachweise

Die Unterlagen müssen bis zu einer bestimmten Frist bei der Stiftung für Hochschulzulassung ankommen. Tipp: Wer eine frankierte und an sich selbst adressierte Postkarte beifügt, bekommt eine Bestätigung, dass die Sendung eingegangen ist. Hier findet ihr weitere Infos zu Wegen ins Studium.

Wer eine Zusage bekommt, muss den Studienplatz vor Ablauf der Frist annehmen. Doch auch wenn eine Absage ins Haus flattert, sollte man nicht den Kopf in den Sand stecken. Mit einer Anmeldung zum Nachrückverfahren besteht die Chance, trotzdem noch einen Studienplatz zu bekommen.

Im Notfall den Anwalt einschalten…

Wenn es mit dem gewünschten Studienplatz über das Zulassungsverfahren nicht geklappt hat, du aber unbedingt in diesem Jahr anfangen möchtest zu studieren, bleibt dir noch die Möglichkeit der Studienplatzklage. Das Grundgesetz der Bundesrepublik garantiert jedem deutschen Staatsbürger das Recht, einem Beruf seiner Wahl nachzugehen. Dieses Recht schließt auch ein, zu einem Wunschstudium der eignen Wahl zugelassen zu werden. Das aktuelle Zulassungsverfahren an deutschen Hochschulen steht deshalb schon seit Längerem in der Kritik.

Die Abiturnote würde zum einen nur wenig über das Talent aussagen, was im jeweiligen Studiengang vom Studenten abverlangt wird. Vielmehr sollten spezielle Eignungstests im Zulassungsverfahren durchgeführt werden. Die Kritiker beanstanden weiterhin, dass qualifizierten jungen Leuten durch das Zulassungsverfahren der Weg zum Traumberuf verwehrt wird.

Bei der Studienplatzklage wird überprüft, ob die Hochschule alle Kapazitäten voll ausgeschöpft hat, um möglichst viele Studieninteressierte im Zulassungsverfahren aufzunehmen. Bei der Berechnung der zu Verfügung stehenden Plätze spielen verschiedene Faktoren, wie die Anzahl der Dozenten oder die Raumausstattung, eine Rolle. Wenn sich herausstellt, dass die Hochschule freie Studienplätze im Zulassungsverfahren vorenthalten hat, ist sie dazu verpflichtet, sie an weitere Bewerber zu verteilen. Diese Vorgehensweise verspricht häufig gute Erfolgsaussichten, ist aber auch mit einem hohen Kostenaufwand verbunden.

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