E-Mail Drucken
viel Lernstoff - hoher Leistungsdruckeine-deutsche-hochschulehoersaal-einer-uniLeistungsdruck im Studium

Leistungsdruck

Was hilft bei Leistungsdruck im Studium?

Viele Studenten sehen sich in ihrem Studium übermäßigem Leistungsdruck ausgesetzt. Das Gefühl der ständigen Überforderung kann dabei negative Auswirkungen auf Studium, Privatleben und Gesundheit haben. Daher ist es wichtig, dass Du Hilfe suchst, wenn Du Dich vom Leistungsdruck in Deinem Studium überfordert fühlst.

Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse leiden 75 % der deutschen Studenten unter Stress im Studium. Zudem hat fast die Hälfte der Studenten Angst, den Anforderungen ihres Studiums nicht gewachsen zu sein. Das führt zu einer hohen Abbruchquote unter Studenten. Experten gehen davon aus, dass der Leistungsdruck unter Studenten mit der Einführung der Bologna-Reform deutlich zugenommen hat.

Leistungsdruck kann unter anderem zu Ängsten, Depressionen, Schlafstörungen oder Antriebslosigkeit führen. Deswegen ist es wichtig, dass sich Studierende, die sich im Studium überfordert fühlen, Hilfe holen.

Warum entsteht Leistungsdruck?

Leistungsdruck entsteht, wenn Studenten sich mit hohen Anforderungen im Studium konfrontiert sehen und gleichzeitig hohe Ansprüche an sich selbst stellen. Durch die Umstellung auf Bachelor und Master Studiengänge sind Erwartungen und Konkurrenzdruck gestiegen. Die Regelstudienzeit ist kürzer geworden, die Studieninhalte sind jedoch größtenteils gleich geblieben. Zudem steht nur für etwa 30 % aller Bachelor Absolventen ein entsprechender Master Platz zur Verfügung. Das erhöht den Druck, einen überdurchschnittlichen Bachelor Abschluss zu machen, enorm.

"Die Studierenden stehen heute unter einem hohen Leistungsdruck und unter einem hohen gesellschaftlichen Erwartungsdruck. Sie haben die Anforderungen teilweise vollständig internalisiert, in jedem Fall schnell, erfolgreich zu studieren, Praktika und Auslandserfahrungen anhäufen und einen tollen Job kriegen zu müssen.  Scheitern ist da nicht vorgesehen; teilweise, berichten unsere Psychologen, überfordern sich die Studierenden selbst", erklärt Achim Meyer auf der Heyde, Generalsekretär des Deutschen Studentenwerks, in einem Interview.

Im Bachelor Studium haben Studienanfänger keine Eingewöhnungsphase mehr, da meist ab dem 1. Semester jede Klausur für die Endnote zählt. Die meisten Studenten wollen ihr Studium in der Regelstudienzeit abschließen. Denn als BAföG Empfänger erhältst Du nach dieser Zeit in der Regel keine Finanzierung mehr.

Zudem ist der Leistungs- und Konkurrenzdruck gesamtgesellschaftlich angestiegen. Auslandsaufenthalte und Praktika während des Studiums sowie ein lückenloser Lebenslauf bringen im Bewerbungsverfahren heute keine Pluspunkte mehr, sondern werden als selbstverständlich vorausgesetzt. Selbst Studenten mit guten bis sehr guten Noten leiden angesichts dieser Erwartungen zunehmend unter Leistungsdruck.

36 Stunden bringt der durchschnittliche Bachelor Student pro Woche für sein Studium auf. Wer kein oder wenig BAföG oder andere Finanzierung erhält, muss daneben noch jobben. Diese Mehrfachbelastung kann den gefühlten Leistungsdruck weiter verschlimmern.

Wie wirkt sich Leistungsdruck aus?

Kopf- und Bauchschmerzen, Motivationslosigkeit oder Schlaflosigkeit sind meist erste Symptome bei Überforderung und Leistungsdruck. Weitere Anzeichen sind beispielsweise:

  • Lernstörungen und Schreibblockaden
  • Depression / Niedergeschlagenheit
  • Existenz-, Versagens- oder Prüfungsangst
  • Kraftlosigkeit / ständige Müdigkeit
  • Konzentrationsstörungen
  • Gelenkschmerzen

Werden die Symptome nicht behandelt, kann der Stress Dich zunehmend beeinflussen – im Studium und auch im privaten Umfeld. "Burn-Outs" kommen bei Studenten immer häufiger vor. Etwa 80 % der Studenten gaben bei einer Umfrage der TU Chemnitz an, zeitweise unter starker Belastung und Erschöpfung zu leiden. Dabei kannst Du schnell in einen Teufelskreis geraten: Hoher Leistungsdruck blockiert Dich beim Lernen. Fällst Du aufgrund dessen durch eine Prüfung, fühlst Du Dich danach meist unter noch stärkerem Druck.

Leistungsdruck steht oft in Verbindung mit Prüfungsangst. Bei einigen Studierenden führt die Belastung sogar dazu, dass sie Medikamente und Aufputschmittel zur Bekämpfung von Nervosität und zur Leistungssteigerung einnehmen.

 

Es gibt viele Wege, um Leistungsdruck vorzubeugen und dagegen vorzugehen. Kleine Auszeiten, in denen Du etwas Entspannendes unternimmst, können viel bewirken: Beispielsweise kannst Du Sport treiben, Freunde besuchen, lesen oder ins Kino gehen. Das ist natürlich gar nicht so leicht, wenn Du immer an den nächsten Prüfungstermin oder die Frist für die Hausarbeit denkst. Mach Dir klar: Du solltest Dir im Studium Mühe geben und hart arbeiten, aber wenn für eine Prüfung noch nicht bereit bist, kannst Du sie auch später ablegen. Du musst auch Zeit für Hobbies und Freunde und Dich selbst haben.

Buchtipp

Survivalguide Bachelor.

Tipps bei Leistungsdruck.

Folgende Tipps können Dir helfen, wenn Du Dich von Leistungsdruck bedroht fühlst:

  • Realistische Ziele setzen

Zu hohe Selbstanforderungen und zu starker Perfektionismus können schnell zu Überforderung führen. Mach Dir klar, dass Du nur für Dich studierst. Von Erwartungen anderer solltest Du Dich befreien. Des Weiteren ist es nicht schlimm, wenn Du Dein Studium nicht in der Regelstudienzeit abschließen kannst, sondern 1 oder 2 Semester länger brauchst. Die Zeit ist nicht verschwendet, sondern hilft Dir, etwas über Dich selbst und Deine Ziele und Prioritäten zu lernen.

  • Psychologische Beratung in Anspruch nehmen

43 der insgesamt 58 Studentenwerke in Deutschland bieten eine psychologische Beratungsstelle für Studenten an. Hast Du Schwierigkeiten mit Deinem Studium, fühlst Du Dich überfordert oder niedergeschlagen, wende Dich an Dein zuständiges Studentenwerk. Die Beratung ist anonym und unentgeltlich. Alternativ gibt es sogenannte Nightlines, bei denen Du zu bestimmten Zeiten anrufen kannst. Oftmals hilft es schon, frei mit jemandem über Probleme oder Ängste zu sprechen. Nightlines werden von anderen Studenten betrieben, die eine entsprechende Ausbildung absolviert haben. Studentenwerke sowie die Hochschulen selbst bieten häufig kostenlose Kurse zu "Stressbewältigung", "Zeitmanagement" oder "Prüfungsangst" an.

  • Reflektieren

Überfordert Dich Dein Studium über eine längere Zeit hinweg, solltest Du darüber nachdenken, ob es das Richtige für Dich ist. Studierst Du das Fach, weil es Dich interessiert und begeistert oder weil es gute Berufsaussichten bietet oder Deine Eltern es von Dir erwarten? Hier kann eine Studienberatung hilfreich sein. Wenn Du merkst, dass das Studium nichts für Dich ist, wechsle lieber das Studienfach oder beginne eine Ausbildung.

Weitere interessante Themen

Diese Themen könnten Dich auch interessieren