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Referendariat

Das Referendariat - die Vorbereitung auf die Beamtenlaufbahn

Das Referendariat ist meist die Vorbereitung für eine Beamtenlaufbahn im höheren Dienst. Angehende Lehrer und Juristen durchlaufen es am häufigsten und lernen dort die praktische Seite ihres Berufs kennen. Etwa 2 Jahre dauert dieser Teil der Ausbildung.

Was ist ein Referendariat und wer macht es?

Wer später als Beamter im höheren Dienst arbeiten möchte, muss vorher ein Referendariat durchlaufen. Größte Berufsgruppen hier sind Lehrer und Juristen. Aber auch für Juristen, die nicht als Richter oder Staatsanwalt in den höheren Dienst eintreten wollen, ist ein Referendariat Voraussetzung für das 2. Staatsexamen.
Andere Berufe im Dienste des Staates oder der öffentlichen Verwaltung können ebenfalls ein Referendariat erfordern. Es gibt unter anderem auch das technische Referendariat, das Referendariat bei der Bundesbank und das Bibliotheksreferendariat. Alle bereiten auf eine höhere Beamtenlaufbahn vor.

Lehramtsreferendare und andere Referendare, für die eine spätere Beamtenlaufbahn vorgesehen ist, sind meist Beamte auf Widerruf. Rechtsreferendare hingegen befinden sich zumeist in einem Angestelltenverhältnis, da ihre spätere Laufbahn nicht unbedingt auf ein Beamtenverhältnis hinauslaufen muss. 

Ein Referendariat dauert in der Regel 2 Jahre und wird mit dem 2. Staatsexamen abgeschlossen. Wird eine Beamtenlaufbahn im höheren Dienst angestrebt, trägt der Absolvent danach den Titel Beamter auf Probe. Um zum Beamten auf Lebenszeit ernannt zu werden, muss die Probezeit erfolgreich absolviert werden. Der automatische Beamtenstatus nach dem 27. Lebensjahr ist nicht mehr gültig. Beendet der Beamte auf Probe seine Probezeit erst nach seinem 35. Lebensjahr, kann ihm der Beamtenstatus auf Lebenszeit entsagt werden. Dies wird von den Ländern individuell geregelt.

Das Lehramtsreferendariat

Das Referendariat für angehende Lehrer lässt diese erstmals ihre pädagogischen Fähigkeiten in der Praxis erproben. Erst dort merken viele, ob sie für wirklich für den Beruf geeignet sind. Sie müssen stressresistent sein und ihren Unterricht organisiert planen und umsetzen. Durch Lehrproben wird ihre Leistung im Referendariat überprüft und Fortschritte gemessen. Referendare müssen sowohl ihre Fächer beherrschen - meist sind es 2, als auch pädagogisch kompetent sein.

Ein solches Referendariat dauert in der Regel 2 Jahre, in denen die Referendare selbst unterrichten und auch am Unterricht von Seminarschulen teilnehmen müssen. Der Unterricht in den Seminarschulen läuft meist parallel zur praktischen Ausbildung in der Schule. Den angehenden Lehrern werden dort fachspezifische sowie pädagogische Kenntnisse vermittelt. Lehrversuche und Lehrbeispiele spielen dabei eine große Rolle.

Ablauf des Referendariats

Die praktische Ausbildung beginnt bei diesem Referendariat mit einer Hospitation an der Ausbildungsschule. Die ersten Wochen sitzen die Lehrneulinge dabei dem Unterricht von erfahrenen Lehrern ihrer Schule bei, um deren Lehrmethoden kennenzulernen und danach eigenständig unterrichten zu können.

Nach der Hospitationsphase folgt der Ausbildungsunterricht, in dem der Referendar eigenständig, aber in Anwesenheit eines Fachlehrers, unterrichtet. Mit diesem Fachlehrer bespricht er detailliert seine Unterrichtsplanung und erhält im Anschluss Anregungen zu Verbesserungsmöglichkeiten. In manchen Bundesländern durchlaufen die angehenden Lehrer diesen Ausbildungsunterricht sogar bis zum Ende ihres Referendariats.

Ist der Referendar fachlich und pädagogisch fit genug, kann der eigenständige Unterricht beginnen. Das heißt, die Referendare planen und erteilen ihren Unterricht komplett selbstständig und stehen auch als Ansprechpartner z. B. auf Elternabenden zur Verfügung. Zudem müssen sie Berichte über ihre Unterrichtsstunden verfassen und am Ende der Ausbildungsphase eine wissenschaftliche Hausarbeit einreichen, die über ihre Zulassung zum 2. Staatsexamen entscheidet.
Während der Unterrichtseinheiten der Referendare finden regelmäßig Unterrichtsbesuche und zwischendurch auch Lehrproben (benotet) statt, um ihre Fähigkeiten zu überprüfen.

Die Zusammensetzung der Bestandteile des 2. Staatsexamens unterscheidet sich zum Teil regional. Einbezogen werden aber immer der Ausbildungsunterricht, die Examenshausarbeit (s.o.), eine Examenslehrprobe pro Fach und eine mündliche Prüfung über fachliche Inhalte, Pädagogik und Schulrecht.

Das Rechtsreferendariat

Das Referendariat für Rechtswissenschaftler dauert ebenfalls 2 Jahre. Das 2. Staatsexamen und somit die Ausbildung zum Volljuristen kann nur mit einem erfolgreichen Referendariat abgeschlossen werden. Nach dem 2. Staatsexamen haben die Absolventen die Möglichkeit, als Richter, Staatsanwalt oder Notar eine höhere Beamtenlaufbahn anzutreten. Aber auch für den Beruf des Rechtsanwalts ist das 2. Staatsexamen - also die Befähigung zum Richteramt - vorgeschrieben.

Stationen des Rechtsreferendariats

Das Referendariat für Rechtwissenschaftler gliedert sich in meist 5 Bereiche. Begleitend zu allen Stationen im Referendariat finden etwa 1x wöchentlich Arbeitsgemeinschaften mit Klausuren und Vorträgen statt. Diese leitet meist ein Richter oder Anwalt.

Das Referendariat beginnt mit der Zivilisation. In dieser Phase werden die Referendare einem Richter am Amts- oder Landesgericht (manchmal auch Oberlandesgericht) zugewiesen, der von da an für ihre Ausbildung zuständig ist. Außerdem findet in den ersten Wochen ein Einführungsseminar statt, das über die Grundlagen verschiedener gerichtlicher Verfahren und auch den Ablauf des 2. Staatsexamens informiert. Während der Zivilisation bearbeiten Referendare schriftlich Beschlüsse oder Urteile und sitzen Gerichtsverhandlungen und anderen richterlichen Terminen bei. Zum Teil dürfen sie hier auch schon Aufgaben wie die Zeugenbefragung übernehmen.

Im Folgenden wechseln die Referendare in die Strafstation, die meist bei einem Staatsanwalt und selten am Strafgericht stattfindet. In der Strafstation übernehmen sie vertretend Sitzungen für den Staatsanwalt und die damit zusammenhängenden Aufgaben. Diese Sitzungsvertretungen werden mit dem Staatsanwalt vorbereitet und zu treffende Entscheidungen werden mit ihm abgesprochen.

Nach der Strafstation geht es für die Referendare in die Verwaltungsstation in einer Behörde oder einem Verwaltungsgericht. Dort herrscht innerhalb der Arbeitszeiten für die Referendare Anwesenheitspflicht, auch bei geringem Arbeitsaufkommen.

Die Anwaltsstation nimmt meist die längste Zeit im Referendariat in Anspruch, da viele Absolventen nach ihrem 2. Staatsexamen in diesen Beruf eintreten möchten. Sie dient also als perfekte Vorbereitung und manchmal auch als Sprungbrett für die Karriere nach dem Examen. Und das Examen kommt schneller als man denkt - die meist 8 schriftlichen Prüfungen werden nämlich im Anschluss an die Anwaltsstation abgelegt.

Die folgende Wahlstation lässt viel Spielraum bei der Wahl der Ausbildungsstätte. Kanzleien, Behörden, Staatsanwaltschaften, Gerichte oder ein Aufenthalt im Ausland - hier ist alles möglich. Allerdings wird in dieser Phase im Referendariat selten Urlaub gewährt. Nach der Wahlstation erwartet die Referendare eine mündliche Prüfung über Zivilrecht, Strafrecht und Verwaltungsrecht. Zum Teil ist auch ein Wahlpflichtfach Gegenstand dieser Prüfung. Begonnen wird die Prüfung in allen Bundesländern außer Bayern mit einem Aktenvortrag, also einer Einführung in den Sach- oder Streitstand einer Rechtssache durch den Prüfling.

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