E-Mail Drucken
Bachelor Studium absolvierenDie Entscheidung für ein Bachelor Studium treffenEine HochschuleBachelorstudenten

Bachelor

Der Bachelor - neuer Abschluss mit internationaler Gültigkeit?

Wer derzeit ein Studium aufnimmt, wird dies vermutlich in einem Bachelorstudiengang tun. Nahezu 80% der deutschen Studiengänge sind mittlerweile im Bachelor-Master-System aufgebaut. Wie genau das Studium funktioniert, erfährst du hier. 

Was ist eigentlich ein Bachelor?

Der Bachelor beschreibt einen akademischen Grad, der nach Abschluss eines wissenschaftlichen und berufsqualifizierenden Studiums von einer Hochschule vergeben wird.

Das besondere des Bachelors im Vergleich zu den traditionellen Abschlüssen Diplom und Magister ist die Stufung des Studiums. Bereits nach 6-8 Semestern wird der Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglicht. Optional kann auf den Bachelor-Abschluss der Master folgen.

Nach der ursprünglichen Planung sollte die Umstellung auf Bachelor und Master bis 2010 abgeschlossen sein. Ab dem Wintersemester 2010/11 sollten demnach alle Studiengänge nur noch mit dem Abschluss Bachelor und Master angeboten werden. Dieses Ziel konnte bisher jedoch noch nicht erreicht werden.

Eine Verlängerung des Bologna-Prozesses bis 2020 steht im Raum.

Ziel der Umstellung

Primäres Ziel der Einführung des Bachelorstudiums ist die Verkürzung der Studienzeit und eine schnellere Berufsqualifizierung. Durch die Vereinheitlichung der Studienleistungen mit Hilfe von Credit Points soll der Wechsel an andere Hochschulen, auch im Ausland, erleichtert werden. So wird die Mobilität der Studierenden gefördert, ohne dass eine Verlängerung des Studiums in Kauf genommen werden muss. Die einheitlichen Bildungsabschlüsse sollen zudem für bessere Chancen auf dem internationalen Arbeitsmarkt sorgen.

Weiterhin wird besonderen Wert auf Qualitätssicherung gelegt: Die Etablierung von nationalen Akkreditierungssystemen soll die Erfüllung von Mindeststandards an den Hochschulen gewährleisten.

Voraussetzungen für das Bachelor Studium

In der Regel müsst ihr für ein Bachelor Studium an einer Hochschule die Hochschulreife mit dem Abitur nachweisen. Bachelor Abschlüsse können jedoch auch an Fachhochschulen erlangt werden. Hier müsst ihr die fachgebundenen Hochschulreife nachweisen. Daneben können je nach Studiengang zusätzliche Voraussetzungen wie etwas Praktika, Sprachkenntnisse oder ein bestimmter Notendurchschnitt erforderlich sein.

Der Aufbau eines Bachelor Studiums

Studiendauer

Die Regelstudienzeit eines Bachelorstudiums beträgt mindestens 3 Jahre bzw. 6 Semester. Unter Umständen kann die Studiendauer verlängert, die Höchstgrenze von 8 Semestern in der Regel jedoch nicht überschritten werden. Durch ein Masterstudium mit 2 - 4 Semestern kann das Fachwissen weiter ausgebaut werden. Das Masterstudium muss nicht direkt an das Bachelorstudium anschließen, sondern kann durch eine Berufstätigkeit unterbrochen werden.

Studienaufbau und Lehrmethode

Die Studieninhalte werden in thematische Module zusammengefasst. Hier sollen die Kernkompetenzen eines Studienbereichs vermittelt werden. Ein Modul besteht meist aus 2 aufeinander bezogene Lehrveranstaltungen (wie Vorlesungen, Seminare, Übungen, Laborpraktika) und erstreckt sich über 2 Semester. Für ein BWL-Studium wäre Marketing bspw. ein Modul. Jedes Modul wird anschließend mit einer Prüfung abgeschlossen, die Note fließt zudem in die Endnote ein.

Je nach Fach wird zwischen Pflichtmodulen und Wahl- bzw- Wahlpflichtmodulen unterschieden. Letztere können meist in der 2. Hälfte des Studiums beleget werden und bieten die Möglichkeit, eigene Schwerpunkte im Hinblick auf die beruflichen Perspektiven zu legen.

Für ein abgeschlossenes Modul erhältst du neben der Note Credit Points. Diese wurden, dem European Credit Transfer System (ECTS) entsprechend, als Vergleichsparameter eingeführt. Die Höhe der Points hängt je Modul davon ab, wie viel Zeit ein fiktiver Durchschnittsstudent für das Bestehen des Moduls aufbringen müsste. Ein Punkt entspricht in diesem System etwa einem Arbeitsaufwand von 30 Stunden. Pro Semester ist der Erwerb von ungefähr 30 Punkten vorgesehen. Für einzelne Kurse bekommt der Bachelor Student in der Regel 2 oder 4 Punkte angerechnet. Diese beinhalten neben dem Besuch des Kurses eine entsprechende weitere Leistung wie ein Referat oder eine Hausarbeit. Das Credit-Point-System biete die Möglichkeit, an einer ausländischen Hochschule erworbene Leistungsnachweise in Deutschland anerkennen zu lassen. Studienleistungen werden so international vergleichbar.

Die Lehrmethode mit modulare Struktur ist also im Hinblick auf die "alten" Magister- und Diplomstudiengänge straffer durchstrukturiert. Gänzlich freie Kurswahl gibt es nicht. Auf der anderen Seite wird im Bachelorstudium neben der Vermittlung von fachspezifischen Schlüsselkompetenzen auf Methoden- und Sozialkompetenz, Computer- und Fremdsprachenkenntnisse, Teamfähigkeit als auch Präsentationstechniken Wert gelegt. Zudem sind in den meisten Bachelorstudiengängen Praxisphasen vorgesehen. Diese können in Form von Pflichtpraktika, Praxissemestern oder Auslandssemestern absolviert werden.

Abschlussarbeit

Am Ende des Bachelorstudiums steht die Bachelorarbeit. Diese ist im letzen Semester anzufertigen und soll aufzeigen, dass du dein Fach beherrschst und in der Lage bist, ein Thema auf wissenschaftlicher Grundlage eigenständig zu bearbeiten. Für die Arbeit erhältst du zwischen 6 und 12 Credit Points. Wichtig: Deine Abschlussnote hängt nicht allein von der Bewertung deiner Bachelorarbeit ab, sondern von allen Leistungen, die du während des gesamten Studiums erbracht hast.


Diploma Supplement

Zusätzlich zum Abschlusszeugnis gibt das Diploma Supplement Auskunft über den Studienverlauf. Es enthält sämtliche Angaben zu den Modulen, auch in englischer Sprache, inkl. der Credit Points und der Benotung. Es dient so der Verdeutlichung der Inhalte des Studiengangs sowie besonderer Kenntnisse oder Fähigkeiten des Studierenden.

Bachelor vs. Diplom/Magister

Die universitären Regelstudienabschlüsse bildeten bisher das Diplom bzw. der Magister, welche nun vom Bachelor ersetzt werden sollen. Daher lohnt sich ein genauerer Blick auf die Unterschiede.

  • Planbarkeit und Dauer des Studiums
    Da die Regelstudienzeit für den Bachelor und den Master genau und für alle Fächer gleichermaßen festgelegt ist, besteht hier eine klare Planbarkeit der Studiendauer. Im Diplom- und Magisterstudium existieren zwar auch Regelstudienzeiten, welche aber kaum eingehalten werden. Während du z. B. als Bachelor of Engineering bereits nach 3 Jahren ins Berufsleben starten kannst, brauchst du in einem vergleichbaren Diplomstudiengang rund 7 Jahre. Selbst mit der Aufstockung des Masters beträgt der Zeitvorsprung noch ca. 2 Jahre.
  • Inhalte
    Im Vergleich zum praxisorientierten Bachelor, der fächerübergreifende Schlüsselqualifikationen vermitteln möchte, liegt der Schwerpunkt im Diplomstudium eher auf wissenschaftlichen Fähigkeiten, die meist für Forschung und Lehre qualifizieren.
  • Noten und Prüfungen
    Beim Bachelor muss jedes Modul mit Leistungsnachweisen abgeschlossen werden, die in die Gesamtnote einfließen. Dies ist zwar in einigen Diplom- und Magisterstudiengängen auch der Fall, jedoch stellen regelmäßige Klausuren in vielen Studiengängen die Ausnahme dar. Leistungsnachweise aus dem Studium werden in der Abschlussnote oft nicht berücksichtigt.

Unterschiedliche Bachelor Abschlüsse

Um die unterschiedlichen Fachbereiche bzw. Berufsfelder voneinander abzugrenzen, wurden 7 unterschiedliche Bezeichnungen für den Bachelor eingeführt:

  1. Bachelor of Arts (B.A.) (Gesellschafts- und Sozialwissenschaften, Sprach-, Kulturwissenschaften und Gestaltung und Wirtschaftswissenschaften)
  2. Bachelor of Science (B.Sc.) (Mathematik und Naturwissenschaften, Medizin und Gesundheitswesen, Agrar- und Forstwirtschaften, Wirtschaftswissenschaften, Ingenieurwissenschaften)
  3. Bachelor of Engineering (B.Eng.) (Ingenieurwissenschaften)
  4. Bachelor of Laws (LL.B.) (Rechtswissenschaften)
  5. Bachelor of Education (B.Ed.) (Lehramt)
  6. Bachelor of Fine Arts (B.F.A.) (Sprach-, Kulturwissenschaften und Gestaltung)
  7. Bachelor of Music (B.Mus.) (Sprach-, Kulturwissenschaften und Gestaltung)

An jeden dieser Abschlüsse könnt ihr ein entsprechendes Master Studium anschließen. Bei manchen Berufszielen zählt der Master sogar zu den Voraussetzungen.

Besonderheiten im Überblick

Hier noch einmal alle Besonderheiten des Bachelor Studiums im Überblick:

  • Gleichwertige Anerkennung im europäischen Bildungsraum
  • Modularisierter Studienaufbau
  • Einheitliches Punktesystem „European Credit Transfer System“ (ECTS)
  • Höhere Praxisorientierung
  • Studiendauer: 6 bis 8 Semester / 3 bis 4 Jahre

Vor- und Nachteile

Ist der Bachelor nun besser oder schlechter als Diplom und Magister? Pauschal kann keine Antwort auf diese Frage geben werden. Dennoch liegen einige Kritikpunkte auf der Hand: Gerade im Hinblick auf die Verkürzung der Studienzeit und damit der Studieninhalte stellt sich in einigen Studiengängen die Frage nach dem wirklichen Vorteil. Bietet der Bachelor mit einer Dauer von 3 Jahren in einem technischen Studiengang tatsächlich sehr viel mehr als eine Betriebsausbildung?

Weiterhin treten die Hochschulen durch den Angleich der Abschlüsse zwangsläufig in einen Wettbewerb. Dies hat verstärkte Werbemaßnahmen der Hochschulen zur Folge. Ob dies nun aber für potenzielle Studierende die richtige Grundlage für die Auswahl eines Studienplatzes ist, ist fraglich. Dennoch bietet der Bachelor viele Vorteile. Im Folgenden findet ihr eine Übersicht der Vor- und Nachteile des Bachelorstudiums:

Vorteile:

  • Der Bachelor kann sowohl an einer Universität als auch an einer Fachhochschule oder Berufsakademie erworben werden.
  • Er soll auch berufsfeldbezogene Qualifikationen und fächerübergreifende Schlüsselqualifikationen vermitteln.
  • Der Bachelor Abschluss ist europaweit anerkannt – und international bekannt. Er hat eine wesentlich kürzere Studiendauer als die „alten“ Abschlüsse und ermöglicht damit einen früheren Einstieg in die Arbeitswelt. Die stärkere Struktur soll in Deutschland die hohe Abbruchquote und die Zahl der Langzeitstudenten senken.
  • Durch die Umstellung der Studiengänge sind viele Studienordnungen modernisiert worden.

Nachteile:

  • Der schnelle und straffe Studienplan setzt die Studenten stark unter Druck – außerdem funktioniert eine Verkürzung der Studiendauer auch nicht ohne eine Verkürzung der Studieninhalte.
  • Durch Zeitmangel im Studium verschärft sich das Finanzierungsproblem, da oft keine Zeit für Nebenjobs bleibt.
  • Das modularisierte Studiensystem bringt auch eine Verschulung mit sich. Da die Module relativ streng geregelt und einige Veranstaltungen zudem jeweils nur im Winter- bzw. Sommersemester angeboten werden, bleibt dem Studenten nicht viel Freiheit in der Gestaltung seines Studienverlaufs.
  • Die angekündigte Praxisorientierung und Vorbereitung auf den tatsächlichen Arbeitsmarkt wurde bislang nur geringfügig bis gar nicht umgesetzt.

Hier kann letztendlich nur das Fazit gezogen werden, dass jeder Studierende seine eigenen Ansprüche an das Studium abwägen, und die Inhalte und den Aufbau seines Wunschstudiengangs genau prüfen sollte.

Weitere interessante Themen

Diese Themen könnten Sie auch interessieren

Weitere externe Informationen zum Thema