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Duales Studium

Theorie und Praxis: Duales Studium

Ein duales Studium kombiniert die wissenschaftliche Lehre einer Hochschule mit der Praxiserfahrung oder gar Ausbildung in einem Unternehmen. Finanzielle Unterstützung während der Ausbildung und gute Aussichten auf Übernahme wirken verlockend. Doch nicht jeder ist für ein duales Studium geeignet.

Wer sich für ein duales Studium entscheidet, studiert und arbeitet im Wechsel. Dabei werden die Hochschule und ein Unternehmen durch einen Kooperationsvertrag verbunden. Allgemein werden berufsbegleitende Studienangebote als duale Studiengänge bezeichnet. In der Praxis existieren jedoch die verschiedensten Varianten. Dies ist dadurch bedingt, dass die Bundesländer die jeweiligen Studiengänge konzipieren und organisieren. So kann beispielsweise die Dauer des dualen Studiums stark variieren und liegt im Durchschnitt zwischen 6 und 10 Semestern. Auch die Organisation der Praxis- bzw. Theorieblöcke ist je nach Studiengang unterschiedlich. Ein Wechsel von Theorie und Praxis in Blöcken von 3 Monaten ist möglich. Eine andere Variante ist durch verstärkte Praxis zu Beginn und höheren Theorieanteil zum Ende des Studiums gekennzeichnet.

Formen des dualen Studiums

Ein duales Studium kann den Praxisaspekt auf verschiedene Arten abdecken. Am weitesten verbreitet sind folgende Formen:

Ausbildungsintegrierende Studiengänge

Der Student ist zur gleichen Zeit Auszubildender des Unternehmens. Studium und Berufsausbildung werden parallel vollzogen. Anders als bei einer „normalen“ Ausbildung ist die Ausbildungszeit hier meist auf 2 Jahre verkürzt. Ein ausbildungsintegrierendes, duales Studium dauert üblicherweise 3 bis maximal 5 Jahre. Am Ende wird nicht nur ein akademischer Abschluss erworben, sondern ebenfalls eine Prüfung vor der IHK abgelegt. Ein duales Studium dieser Art ermöglicht also schon deshalb besonders gute Berufsaussichten, weil die Studierenden / Auszubildenden das Studium gleich mit 2 staatlich anerkannten Abschlüssen beenden.

Berufsintegrierende / praxisintegrierende Studiengänge

Ein duales Studium in dieser Form setzt den erfolgreichen Abschluss einer Berufsausbildung voraus. Der Student wird Angestellter oder Praktikant des Unternehmens und sammelt auf diese Weise Praxiserfahrung.

Ausbildungs- und berufsintegrierende Studiengänge

Diese Form stellt eine Mischung aus dem ausbildungs- und dem berufsintegrierenden Studiengang dar. So wird beispielsweise während des Grundstudiums / Bachelors eine Berufsausbildung abgeschlossen. Während des darauf folgenden Hauptstudiums / Masters ist der Student als Angestellter im Unternehmen tätig.

In welchen Unternehmen kann ich ein duales Studium machen?

Ein duales Studium kann an verschiedenen Ausbildungsstätten gemacht werden. Das Studium findet halb im Unternehmen, halb an einer Hochschule statt. Damit sich die Ausbildungszeiten und -inhalte nicht überschneiden, schließen die Unternehmen und Hochschulen einen Kooperationsvertrag ab, in dem alle wichtigen Punkte festgelegt sind.

Noch lange nicht jedes Unternehmen bietet die Möglichkeit, ein duales Studium durchzuführen. Da das Unternehmen dem Studenten ein festes monatliches Gehalt zahlt – in aller Regel auch während der Studierphasen – und zudem die Studiengebühren übernimmt, stellt ein duales Studium eine beachtliche finanzielle Belastung dar. Entsprechend groß ist natürlich das Interesse der Firmen, die Absolventen des dualen Studiums an ihr Unternehmen zu binden.

Eine Liste mit Unternehmen, die ein duales Studium anbieten, ist oft im Internet zu finden. Auf jeden Fall verfügen aber auch die entsprechenden Bildungseinrichtungen über eine Liste mit kooperierenden Unternehmen. Ebenso ist es aber natürlich auch möglich, bei einem Betrieb anzufragen, ob ein duales Studium angeboten wird.

An welchen Bildungseinrichtungen kann ich ein duales Studium durchführen?

Auf das duale Studium spezialisiert sind die sogenannten Berufsakademien. Ein duales Studium ist die einzige hier angebotene Bildungsform. Es gibt staatliche wie auch privat finanzierte Berufsakademien, die dann allerdings staatlich anerkannt sind. Berufsakademien gibt es nicht in allen Bundesländern. Momentan kann man in den folgenden Ländern eine Berufsakademie besuchen:

  • Bayern
  • Berlin
  • Hamburg
  • Hessen
  • Niedersachsen
  • Saarland
  • Sachsen
  • Schleswig-Holstein
  • Thüringen
  • Baden-Württemberg

Seit März 2009 tragen die Berufsakademien im Land Baden-Württemberg den Namen Duale Hochschulen. Damit ist Baden-Württemberg, das Land, in dem in den 70ern zum ersten Mal ein duales Studium angeboten wurde, erneut Vorreiter.

Immer mehr kooperieren auch Fachhochschulen mit Unternehmen und bieten ein duales Studium für verschiedene Fachrichtungen an. Desweiteren gibt es sogenannte Wirtschafts- und Verwaltungsakademien, bei denen man aber ausschließlich ein duales Studium im Bereich Betriebswirtschaft durchführen kann.

Welche Studiengänge kann man mit einem dualen Studium studieren?

Die meisten Angebote für ein duales Studium gibt es in den folgenden Fachrichtungen:

  • Ingenieurwissenschaften / Technische Fächer
  • Wirtschaftswissenschaften
  • Informatik / Wirtschaftsinformatik
  • Pflege- und Sozialwesen

Allerdings wird das Angebot an dualen Studiengängen ständig erweitert. Es lohnt sich also durchaus auch in anderen Bereichen, sich nach einem dualen Studium umzusehen. Am schwersten haben es Künstler und Geisteswissenschaftler, da es in ihren Bereichen nach wie vor sehr wenige bis gar keine Angebote für ein duales Studium gibt.

Welchen Abschluss kann man durch ein duales Studium erwerben?

Heutzutage endet ein duales Studium in der Regel mit einem Bachelor Abschluss. Dieser löst im Rahmen des Bologna Prozesses langsam den zuvor üblichen Diplom Abschluss ab.

Dennoch ist Vorsicht geboten: Führt man sein duales Studium an einer Berufsakademie durch, ist der erworbene Abschluss strenggenommen kein akademischer Grad. Stattdessen handelt es sich um eine staatlich erworbene Studienabschlussbezeichnung. Diese ist zwar rein rechtlich gesehen mit dem Hochschul-Bachelor gleichgestellt, manchmal kann es aber trotzdem zu Schwierigkeiten kommen, wenn man im Anschluss an einer Hochschule einen Masterstudiengang beginnen möchte. Wenn man ein duales Studium aufnehmen möchte, sollte man also unbedingt mit der Berufsakademie abklären, ob es auch bei dem anvisierten Studiengang zu solchen Problemen kommen kann.

Führt man sein duales Studium an einer Fachhochschule durch, hat man diese Schwierigkeiten auf keinen Fall. Dann erwirbt man mit seinem Bachelor nämlich tatsächlich einen akademischen Grad.

Eine Ausnahme bildet außerdem auch das Land Baden-Württemberg. Dass die Berufsakademien hier seit 2009 Duale Hochschulen heißen, bedeutet nämlich auch, dass man hier durch sein duales Studium ebenfalls einen akademischen Grad statt einer Studienabschlussbezeichnung erwirbt.

Vorteile und Nachteile

Wie alles im Leben hat auch ein duales Studium seine Vor- und Nachteile. Die meisten davon gehen bereits aus dem Text hervor. Zur Übersicht haben wir die wichtigsten Pros und Kontras hier noch einmal aufgelistet.

  • Vorteil: Anders als das übliche Studium weist ein duales Studium einen sehr hohen Praxisanteil auf
  • Nachteil: Dadurch kann die Theorie nicht so wissenschaftlich erarbeitet und eingehend vertieft werden
  • Vorteil: Ein duales Studium erhöht die Chancen auf dem Arbeitsmarkt und erleichtert den Berufseinstieg
  • Nachteil: Die Belastung ist durchweg sehr hoch, es gibt keine Semester Ferien und die Studenten benötigen ein hohes Maß an Disziplin
  • Vorteil: Beim dualen Studium erhält der Student ein festes Monatsgehalt und ist finanziell unabhängiger
  • Nachteil: Der Verdienst hat „seinen Preis“. Die Währung: Freizeit
  • Vorteil: Die Lerngruppen sind kleiner und die Bildungseinrichtungen meist gut ausgestattet. Zudem übernimmt der Arbeitgeber die Studiengebühren

Selbst wenn die Vorteile scheinbar etwas überwiegen, sollte man sich genauestens überlegen, ob man für ein duales Studium geschaffen ist. Hält man der hohen Belastung stand? Und will man sich dieser überhaupt aussetzen, oder vielleicht doch erst mal das Studentenleben auskosten? Wer sich nach reiflicher Überlegung für ein duales Studium entscheidet, der muss noch eine weitere große Hürde nehmen – die Bewerbung.

Die Bewerbung für ein duales Studium

Sich für ein duales Studium zu entscheiden ist die eine Sache, eine Zusage zu erhalten eine ganz andere. Da die Unternehmen eine Menge investieren müssen, gibt es natürlich nur einige Firmen, die ein duales Studium anbieten. Zudem übersteigt die Zahl der Bewerber die der freien Stellen um ein vielfaches.

Bei Interesse muss man sich also auf anstrengende Bewerbungshürden im Vorfeld einstellen. Das können intensive Vorstellungsgespräche und Einstellungstests sein, aber auch mehrtägige Assessment Center sind denkbar.

Die große Hürde bei der Bewerbung für ein duales Studium besteht also darin, ein Unternehmen von sich zu überzeugen. Die Zusage von der Berufsakademie oder sonstigen Bildungseinrichtungen ist dann in der Regel ein Selbstläufer.

Wer beim Schreiben von Bewerbungen Schwierigkeiten hat, kann außerdem in unseren Bewerbungstipps hilfreiche Ratschläge erhalten.


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