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Fernstudium
Das Wichtigste über das Fernstudium im Überblick
Studieren wann man will und wo man will. Das klingt reizvoll. Aber ein Fernstudium hat auch einige Nachteile. Gefragt sind Kämpfernaturen mit Durchhaltevermögen. Gerade Berufstätige können sich so weiterqualifizieren, ihr Fachwissen vertiefen und einen akademischen Titel erwerben.
Fernstudium ist nicht gleich Fernstudium
Anders als beim Präsenzstudium in der Universität, findet das Fernstudium abseits des Campus statt. Aber nicht alles was unter dem Begriff Fernstudium zusammengefasst wird, bezieht sich auf das klassische Studium aus der Ferne. Man muss zwischen dem Fernstudium und dem Fernlehrgang differenzieren. Der Oberbegriff Fernunterricht fasst beide Kategorien zusammen. Beim Fernlehrgang stehen Bildungsabschlüsse, berufliche Qualifikationen, Spezialisierungen und Umschulungen im Vordergrund. Durch ein Fernstudium kann ein akademischer Titel erworben werden. Dies ist nur an einer staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschule möglich. Dabei kann es sich sowohl um eine Präsenzhochschule handeln, die zusätzlich Fernstudiengänge anbietet, aber auch um eine reine Fernhochschule. Am Ende eines Fernstudiums erhält man den akademischen Grad (Bachelor oder Master etc.) oder ein Hochschulzertifikat.
Ob nun Fernlehrgang oder Fernstudium, Angebot wie auch Nachfrage haben in den letzten Jahren stetig zugenommen. Über 300.000 Menschen belegen derzeit in Deutschland einen Fernlehrgang oder ein Fernstudium. Dabei bieten über 330 Institute mehr als 2.100 Fernlehrgänge oder Fernstudiengänge an.
Der Fernlehrgang
Beim Fernlehrgang können verschiedene Inhalte Gegenstand der Kurse sein. Häufig wird durch einen Fernlehrgang die Hochschulreife nachgeholt oder eine staatlich anerkannte Aufstiegsfortbildung, wie die Ausbildung zum Fachwirt wahrgenommen. Ebenso kann man sich aber durch einen Fernlehrgang auch im privaten Bereich weiterbilden, indem man etwa einen Italienisch-Sprachkurs belegt.
Das Fernstudium
Bei einem Fernstudium erlangt man einen akademischen Titel via Unterricht aus der Ferne. Der Teilnehmer erlangt sein Wissen durch speziell aufbereitete Lehrhefte oder Studienbriefe, teilweise auch durch CDs, Videos oder E-Learning. Die Materialien erhält man meist digital oder auf dem Postweg, daher ist das Fernstudium auch im Ausland möglich. Die Leistungskontrolle erfolgt durch Einsendeaufgaben, die der Teilnehmer am Ende eines Lehrheftes an seinen Tutor oder Betreuer zurückschickt. Der Tutor steht den Teilnehmern aber auch in allen weiteren Fachfragen beratend zur Verfügung.
Manche Institutionen bieten ihren Teilnehmern darüberhinaus Online-Studienzentralen an: Hier ist nicht nur der Austausch mit dem Tutor, sondern auch mit anderen Teilnehmern möglich. Weiterhin finden in einigen Lehrgängen sogenannte Präsenzlehrgänge statt, die ebenfalls den Kontakt zu Kommilitonen und Tutoren unterstützen. Auch bei Klausuren und Prüfungen besteht oft eine persönliche Anwesenheitspflicht. Durch die Mischung aus Präsenzphasen, digitaler Wissensvermittlung (Blended Learning) und eigenständigem Lernen bietet ein Fernstudium also eine abwechslungsreiche Lernform.
Voraussetzungen für ein Fernstudium?
Grundsätzlich sollte man gute Computerkenntnisse vorweisen und eigenständig im Internet recherchieren können. Da ein umfangreiches Lehrmittelangebot durchgearbeitet werden muss, sollte man in der Lage sein, schnell lesen und Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden zu können. Wichtig ist ebenfalls die Beherrschung der deutschen Rechtschreibung und gewisse Formulierungsfähigkeit, da immer wieder Einsendeaufgaben zu erstellen sind.
Daneben gibt es je nach angestrebter Weiterbildung bestimmte Zugangsvoraussetzungen. Bei einem akademischen Fernstudium hängt dies von der jeweiligen Hochschule und dem Bundesland ab. Zudem muss die allgemeine beziehungsweise Fachhochschulreife nachgewiesen werden. Oft wird neben dem Abitur auch Berufserfahrung gefordert, da während eines regulären Studiums auch Praktika notwendig sind. Genau Informationen über die individuellen Zulassungsvoraussetzungen findet ihr bei dem jeweiligen Anbieter heraus.
Bei Fernkursen kann es dagegen vorkommen, dass keine Vorkenntnisse gefordert sind. Hier gilt ebenfalls, sich bei dem jeweiligen Institut zu informieren.
Externe und interne Prüfungen - Ein wichtiger Unterschied
Bei einem Fernlehrgang ist das Fernlehrinstitut nicht immer auch die Prüfungsstelle. Häufig wird in den Fernlehrgängen auf staatlich anerkannte Abschlussprüfungen vorbereitet, zum Beispiel den Abschluss zum Fachwirt. Hierbei übernimmt beispielsweise die Industrie- und Handelskammer (IHK) die Prüfung.
Wird eine staatlich anerkannte Abschlussprüfung angestrebt, sollten bereits im Vorfeld ausreichend Informationen eingeholt werden, in denen die wichtigsten W-Fragen geklärt sind. Die Zulassungsbedingungen zu den Prüfungen sind bei den meisten schulischen und beruflichen Fortbildungsabschlüssen unterschiedlich geregelt.
Eine Fernhochschule ist dagegen staatlich anerkannt, dass heißt, auch die Abschlussprüfungen können von ihr selbst durchgeführt werden.
Betreuungsangebote beim Fernstudium
Das Internet ist bei einem Fernstudium heute das primäre Medium. Aufgrund der vielfältigen Kommunikationsmöglichkeiten und -angebote ist beim Fernstudium keiner mehr nur auf sich selbst angewiesen.
So gibt es zum Beispiel in vielen Fällen Online-Tutorien. Wissenschaftliche Mitarbeiter helfen einem via Internets dabei, die Studieninhalte zu vertiefen und zu begreifen. So werden zum Beispiel eingereichte Übungsaufgaben mit Korrekturen und individuellen Kommentaren versehen zurückgesandt.
Ebenso kann man sich bei Problemen und Fragen aber auch an die Dozenten selbst wenden. Man schildert sein Problem in einer E-Mail, die der Dozent dann beantwortet oder man kontaktiert den Dozenten telefonisch. Viele Lehrende haben sogar extra Online-Sprechstunden, also feste Zeiten, in denen sie die Nachrichten der Studenten bearbeiten.
Desweiteren sind natürlich Chatforen hilfreich. Hier kann man sich mit anderen Studierenden in Echtzeit über gewisse Aufgaben und Problemstellungen austauschen. So kommt auch eine soziale Note in das Fernstudium. Mithilfe einer Webcam und eines Mikrofons kann man sich fast wie im realen Leben austauschen. Wichtig ist nur, dass man Chats auf eine bestimmte Personenanzahl begrenzt, damit man den Überblick behält und eine erfolgreiche Kommunikation aufrecht erhalten werden kann.
Das Forum distancE-learning und die ZFU
Das Forum distancE-learning ist ein Fachverband für Fernunterricht in Deutschland. Über 80% aller Fernlehrinstitute werden von dem Forum organisiert, kontrolliert und vermittelt.
Alle Fernlehrangebote des Forums unterliegen der strengen Kontrolle durch die Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) mit Sitz in Köln. Diese Institution überprüft nicht nur Unterrichtsinhalte und Organisation, sondern sorgt auch dafür, dass die Teilnehmerverträge mit dem Fernunterrichtsschutzgesetz konform sind. Nach einer Erstüberprüfung kontrolliert die ZFU übrigens auch alle 3 Jahre, ob die Bedingungen weiterhin eingehalten werden.
Auch wenn man sich für ein Fernstudium entscheidet, dass nicht vom distancE-learning Forum vertreten wird, sollte man also auf ein ZFU-Siegel achten.
Vorzüge des Fernstudiums im Überblick
- Im Vordergrund des Fernstudiums stehen Ortsunabhängigkeit und zeitliche Flexibilität.
- Die Dauer des Fernstudiums ist flexibel, man kann seinen Lehrgang sowohl vor Ende der Regelstudienzeit bzw. mit Begründung auch danach abschließen.
- Man kann seinem eigenen Lerntempo nachgehen - was besonders Berufstätigen oder jungen Müttern und Vätern einen enormen Vorteil bietet.
- Das Fernstudium kann neben der eigentlichen Berufstätigkeit durchgeführt werden, so dass es zu keinem Verdienstausfall kommt.
- Zeitraubende An- und Abfahrtswege fallen weg, man spart so Geld und Zeit.
- Durch den Einzelunterricht im Fernstudium wird man individuell betreut, beraten und motiviert.
- Durch einen Online-Campus können Teilnehmer mit Mitstudierenden und Lehrenden in Verbindung treten.
- Der Student kann selbst entscheiden, inwieweit er sein Umfeld über den Stand seines Lehrgangs informiert. Dies nimmt so den Druck, da ein mögliches Scheitern nicht publik werden muss.
- Ein Fernstudium kommt bei Personalchefs sehr gut an. Diese bescheinigen den Absolventen eines Fernstudiums Schlüsselqualifikationen wie Eigenmotivation (94%), Zielstrebigkeit (92%), gutes Zeitmanagement (88%), Selbständigkeit (87%), Flexibilität (76%). Dies ergab eine Umfrage aus dem Jahr 2007.
Nachteile des Fernstudiums im Überblick
- Der fehlende persönliche Kontakt beim Fernstudium ist für viele Teilnehmer ein Problem. Ein ausgeprägtes Organisationstalent sowie eine hohe Motivation sind gefragt
- Beim Fernstudium besteht der Kontakt zur Bezugsperson überwiegend schriftlich. Die sogenannten Präsenzphasen, die als Wochenendseminar, Internet- oder Blockveranstaltung stattfinden, sind sehr zeit- und geldaufwendig.
- Durch die Doppelbelastung durch Arbeit und Studium bleibt oft wenig Zeit für das Privatleben und soziale Kontakte.
- Durch das Fehlen einer festen Struktur wie Stundenpläne ist ein hohes Maß an Disziplin gefordert.
- Durch das fehlende rege Studentenleben ist ein unterstützender Rahmen zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit nicht mehr geboten. So wird das Studentenleben einsamer, wenn nicht selbstständig Kontakte geknüpft werden.
- Wer nicht gern liest und schreibt, ist mit einem Fernstudium schlecht beraten, da die Lernmaterialien oft viele Tausend Seiten umfassen.
- Durch den hohen Online-Anteil ist man auf einwandfreie technische Voraussetzungen angewiesen.
- Neben Studiengebühren kommen beim Fernstudium auch noch Mitfinanzierungskosten hinzu, etwa Lizenzgebühren für Lernsoftware oder Anschaffungskosten für CD-ROMs.
- Ein Fernstudium deckt nicht alle Berufsziele ab (technisch orientierte oder handwerkliche Berufe).
Wo kann ich ein Fernstudium absolvieren?
Das Fernstudium kann an einer staatlichen, einer staatlich anerkannten (Fach-)Hochschule sowie an privaten Institutionen absolviert werden. Die erste und bislang einzige staatliche Fernhochschule in Deutschland ist die 1974 gegründete FernUniversität Hagen. Daneben gibt es eine Reihe weiterer Institute. Eine Übersicht zu den Anbietern findet ihr hier. Von jedem der dort vorgestellten Anbieter kann kostenlos Informationsmaterial angefordert werden. Neben Wissenswertem rund um das Thema Fernstudium zeigen wir außerdem Möglichkeiten auf, einen Schulabschluss per Fernlehrgang nachzuholen.
Ist ein Fernstudium das Richtige für mich?
Sich für ein Fernstudium und eine Fernhochschule zu entscheiden ist nicht immer leicht. Nachdem ihr euch über die Vor- und Nachteile im Klaren seid, solltet ihr euch selbst folgende Fragen stellen:
- Was bringt das Studium eigentlich?
- Ergeben sich berufliche Vorteile für mich?
- Kann und will ich wirklich so viel Zeit und Geld aufwenden?
- Kann ich die Anfahrt zu Präsenzveranstaltungen organisieren?
- Bin ich überhaupt für das Studium geeignet? Entspreche ich den Anforderungen?
Es ist also äußerst wichtig, das kostenlose Informationsmaterial verschiedener Fernhochschulen anzufordern, die bei der Beantwortung der Fragen helfen können. Hat man sich dann endgültig für das Fernstudium entschieden, gilt es, eine Fernhochschule auszuwählen. Auch hier müssen verschiedene Fragen bedacht werden.
- Wie genau sehen die Studieninhalte an der Hochschule aus und welche Inhalte sind mir wichtig?
- Wie teuer ist das Fernstudium an der Hochschule?
- Wer bietet die besten Betreuungsangebote an?
- Wie praxisorientiert ist das Studium?
- Wo finden eventuelle Präsenzveranstaltungen statt und muss ich dort erscheinen?
Studiengebühren und weitere Kosten
Für Fernlehrgänge oder ein Fernstudium fallen Studiengebühren an, die von diversen Faktoren abhängen und von Anbieter zu Anbieter verschieden sind: Sie hängen ab von der Art der Weiterbildung (Studium, Online-Kurs oder Fernkurs), der Dauer des Lehrgangs und den Präsenzveranstaltungen.
Die Studiengebühren beinhalten meist folgende Leistungen:
- Lehrmaterial und Versand
- Betreuung und Korrekturen der Aufgaben
- Kosten für Präsenzseminare
- Teilnahme an Online-Angeboten
Daneben können zusätzlich folgende Kostenfaktoren auf einen zukommen:
- Prüfungsgebühren
- Kosten für zusätzliches Lehrmaterial
- Fahrt-, Verpflegungs- und Übernachtungskosten für Präsenzseminare
- Software
Finanzierung mit Hilfe von BAföG und Bildungsgutschein
Man hat grundsätzlich auch für ein Fernstudium Anspruch auf BAföG. Es gibt hier jedoch gewisse Bedingungen, die viele Fernstudenten nicht erfüllen:
- Es muss sich um die erste Ausbildung handeln. Die meisten Studenten haben jedoch bereits eine Ausbildung hinter sich.
- Das Höchstalter des Antragsstellers muss unter 30 Jahren liegen. Viele Fernstudenten beginnen die Weiterbildung meist später.
- Ein eventuelles Einkommen wird angerechnet, auch das der Familie.
Da es zahlreiche Sonder- und Ausnahmeregelungen zum Thema BAföG gibt, solltet ihr euch gezielt beim Bundesministerium für Bildung und Forschung informieren.
Ist man bei der Bundesagentur für Arbeit gemeldet, hat man unter Umständen Anspruch auf einen Bildungsgutschein. Dieser wird ausgegeben, wenn der Fernlehrgang als Maßnahme benötigt wird, um beruflich wieder eingegliedert zu werden und drohender Arbeitslosigkeit vorzubeugen. Wichtig ist hier zu prüfen, ob der gewünschte Anbieter "bildungsgutscheinfähig" ist und nach der AZWV (Anerkennungs- und Zulassungsverordnung Weiterbildung) zertifiziert ist. Man sollte sich hier explizit bei der Bundesagentur und dem jeweiligen Anbieter informieren.
Sich für genau ein bestimmtes Fernstudium an einer ausgewählten Fernhochschule zu entscheiden, ist also alles andere als einfach. Man sollte sich ausreichend Bedenkzeit zugestehen und sich ausführlich bei den verschiedenen Anbietern beraten lassen. Zusätzlich hilft auch ein Gespräch mit bereits erfahrenen Fernstudenten, um die richtige Entscheidung zu treffen.
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