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Tipps und Infos zum Studienstart

Mit 30 studieren – so geht’s

Auch in diesem Sommer haben wieder etwa 450.000 junge Leute das Abitur und damit die allgemeine Hochschulreife erworben. Während für die Meisten nun erst einmal der Urlaub ganz oben auf der To-do-Liste steht, beginnt für viele spätestens im Herbst das Studium. Hier erlernen sie akademisches Wissen und bereiten sich aktiv auf den Berufseinstieg vor.

Doch längst nicht jeder Lebenslauf ist so geradlinig und nicht wenige haben auch mit 30 Jahren ihre endgültige Bestimmung noch nicht gefunden. Doch lohnt es sich überhaupt, in diesem Alter noch einmal ein klassisches Studium aufzunehmen? Und was gilt es, dabei alles zu beachten? Mit diesen Fragen sollten sich die Kandidaten im Vorhinein möglichst gründlich auseinandersetzen:

  • Wie soll das Studium finanziert werden?
  • Wie wird eine Krankenversicherung sichergestellt?
  • Was kann ich mit dem Studium später eigentlich anfangen?

Während die Frage, was mit dem Studium bezweckt werden soll, nur jeder für sich selbst beantworten kann, möchten wir uns in diesem Beitrag zunächst mit der Finanzierung und der Versicherung beschäftigen.

Lernen

Wer mit 30 nochmal ein Studium anstreben möchte, steht vor besonderen finanziellen Herausforderungen. Hier gilt es, je nach persönlicher Situation die richtigen Maßnahmen zu finden.

Finanzierung des Studiums - welche Wege stehen noch offen?

Unabhängig davon, ob man in einem Bundesland mit Studiengebühren studiert, kostet ein Studium grundsätzlich Geld. Vor allem der Lebensunterhalt muss weiter bestritten werden, außerdem fallen Kosten für Semestergebühren, Lernmaterialien und Bücher an. Bevor mit dem Studium begonnen wird, sollte also klar sein, woher das Geld in dieser Zeit kommen soll. Grundsätzlich gibt es hier eine Reihe von Möglichkeiten, wobei wohl nur den Wenigsten wirklich alle offen stehen. Zunächst die wichtigsten Möglichkeiten im Überblick:

Möglichkeit Voraussetzungen
Eigenfinanzierung
  • Ausreichend finanzielle Reserven
  • Möglichkeit für Nebenjob
BaföG
  • Bachelorstudium bis 30 Jahre
  • Masterstudium bis 35 Jahre
  • Es gibt aber Ausnahmetatbestände
Berufsbegleitendes Studium
  • Bereitschaft des Arbeitgebers
Studienkredit
  • Für EU-Bürger bis 44 Jahre auch ohne Bonitätsprüfung
Stipendien
  • Spezifische fachliche Eignung

Am einfachsten ist es natürlich, wenn ausreichend private Mittel zur Verfügung stehen. Sei es, weil genug angespart wurde, sich die Eltern an der Finanzierung beteiligen oder der Lebenspartner ausreichend Geld verdient. Auch mit einem lukrativen Nebenjob lässt sich manches Studium finanzieren. Und wenn der Job fachlich in der Richtung des Studiums liegt, stellt der Erwerb des praktischen Fachwissens einen weiteren Vorteil dar.

Etwas schwieriger ist es, mit 30 noch die sogenannte Bundesausbildungsförderung (BaföG) zu bekommen, welches eigentlich bei einem Bachelorstudium nur bis zum Alter von 30 Jahren und bei einem Masterstudium nur bis 35 Jahren gewährt wird. Doch es gibt Ausnahmetatbestände, wie die Betreuung von Kindern oder die Pflege von Familienangehörigen. Des Weiteren gibt es in Deutschland und Europa eine Reihe von Organisationen, welche auch Stipendien an Erwachsene vergeben. Eine erste Orientierung bietet die Stipendiendatenbank des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

Eine interessante Möglichkeit kann zudem das berufsbegleitende Studium sein, bei dem der Studierende offiziell weiter für seinen Arbeitgeber arbeitet und damit Geld verdient, jedoch zeitweise für das Studium freigestellt wird. Viele Unternehmen sind durchaus für derartige Modelle zu begeistern.

Nicht zuletzt besteht noch die Möglichkeit eines Studienkredites, welcher ebenfalls prinzipiell jedem offen steht. Ein Ansprechpartner hierfür kann die staatliche KfW Bank sein. Doch auch hier findet eine genaue Prüfung statt, auch wenn die klassische finanzielle Bonität des Kreditnehmers keine Rolle spielt. Wichtiger sind Motivation und spätere Berufsaussichten.

Krankenversicherung - eine teure Angelegenheit?

Mindestens genauso wichtig wie die Finanzierung ist eine Krankenversicherung, für die der Studierende prinzipiell selbst verantwortlich ist. Nur bei Studierenden, die ein berufsbegleitendes Studium durchführen, ändert sich nichts im Vergleich zum Berufsleben und der automatischen Versicherung. Ebenso einfach haben es Verheiratete, die sich über den Partner im Rahmen einer Familienversicherung kostenlos mitversichern lassen können.

Auf diese Vorteile können viele aber nicht bauen, so dass sie sich bei einer Krankenversicherung versichern lassen müssen. Zwar können Studierende laut Krankenversicherung.com bei gesetzlichen Krankenkassen auf einen ermäßigten Tarif für Studierende setzen, allerdings wird dieser nur bis zum 30. Lebensjahr gewährt. Statt einem moderaten Betrag um die 75 € wird dann mehr als das Doppelte fällig. Auch hier können objektiv begründbare Ausnahmen gewährt werden, etwa aufgrund von Schwangerschaft oder Krankheit.

Für die Meisten dürfte es aber teurer werden. Eine zumindest kurzfristig günstige Alternative können private Krankenversicherungen sein. Wie hoch der Tarif hier ausfällt, hängt sowohl vom Gesundheitszustand des Versicherten als auch von den vereinbarten Leistungen ab. Doch spätestens wenn eine Familie gegründet wird und sich Nachwuchs ankündigt, wird eine private Krankenkasse schnell zu einer sehr teuren Angelegenheit. Ein Wechsel zurück in die gesetzliche Versicherung ist dann alles andere als einfach.

Wer mit 30 ein Studium beginnt, sollte sich wirklich sicher sein

Wer sich mit 30 für ein Studium entscheidet, sollte sein Fach auch hinsichtlich der zukünftigen Berufsperspektive genau wählen. Denn mit zunehmendem Alter wird es nicht unbedingt leichter, in das Berufsleben einzusteigen. Wichtig ist es vor allem, frühzeitig Kontakte zu möglichen Arbeitgebern zu knüpfen. Am besten ist es natürlich, wenn der Nebenjob einen engen thematischen Bezug zum Studium hat und die Perspektive auf einen späteren Einstieg bietet. Ein schneller Einstieg in das Berufsleben nach dem Studium ist auch daher wichtig, weil kein Anspruch auf Arbeitslosenunterstützung nach einem Studium besteht. Denn auch wenn vor dem Studium durch Beiträge in die Arbeitslosenversicherung Ansprüche auf Arbeitslosengeld erworben wurden, verfallen diese nach spätestens zwei Jahren.

Gesundheitskarte

Auch die Frage der Krankenversicherung sollte geklärt werden.

Fazit: Studieren mit 30 ist nicht unmöglich

Mehr denn je gilt die Anforderung des lebenslangen Lernens und es ist nie zu spät, auch in Form eines Studiums in die eigene Bildung zu investieren. Wer allerdings im Alter von 30 Jahren mit einem Studium beginnen möchte, muss sich auf einige Besonderheiten einstellen. So gibt es viele Fördermöglichkeiten nicht mehr und auch die gesetzliche Krankenversicherung wird deutlich teurer. Umso wichtiger ist es, das Vorhaben genau zu planen und eben auch finanziell gut durchzurechnen. Wenn man erst mit 30 erkannt hat, was man im Leben wirklich erreichen will, sollten auch erschwerte Bedingungen keine unüberwindlichen Hürden darstellen.