E-Mail Drucken
gesundheitswissenschaften-studierenstudentin-an-der-unirecherchieren-in-der-bibliothekmedizin-studieren

Berufsspecial - Berufung zum Arzt

Wie werde ich Arzt?

Diagnosen stellen, Untersuchungen vornehmen, Behandlungen durchführen. Der Beruf des Arztes ist vielseitig. Dennoch herrscht hierzulande akuter Ärztemangel. Die Berufsaussichten stehen also besonders gut. Allerdings ist der Weg hin zum praktizierenden Arzt auch besonders lang und schwer. Wenn Sie sich trotzdem zum Arztsein berufen fühlen sollten Sie weiter lesen.

Schnell zur Visite und dann ab zum Golfplatz

Das typische Klischee vom Ärztealltag sieht in etwa so aus: Morgens als Halbgott in Weiß durch die Visite schweben und nachmittags eine Runde golfen. Die Realität sieht jedoch anders aus: Wenig Freizeit und Arbeit bis zum Umfallen, inklusive Nachtschichten und Bereitschaftsdienst.

Das Medizinstudium

Der Zugang zum Beruf als Arzt führt nur über ein Medizinstudium. Zugangsvoraussetzung ist also das Abitur oder ein entsprechend anrechenbarer Schul- oder Berufsausbildungsabschluss. Da dieser Studiengang zulassungsbeschränkt ist, entscheidet der Numerus Clausus (siehe Text Abitur und Numerus Clausus), ob du einen Studienplatz erhältst. Dieser ist für Medizin sehr hoch und liegt bei 1,0 bis 1,6. Die Vergabe von Studienplätzen für das Medizinstudium übernimmt hochschulstart.de (ehemals ZVS).

Auswahlgespräche – Der andere Weg ins Medizinstudium

An den Hochschulen kommt immer mehr der Trend auf, sich über Auswahlgespräche zu immatrikulieren. Das bedeutet, dass diejenigen die den Numerus Clausus nicht erfüllen zwar einen Ablehnungsbescheid von der ZVS erhalten, aber auch für ein Auswahlgespräch vorgeschlagen und von der Hochschule zur Teilnahme am „hochschulinternen Auswahlverfahren“ eingeladen werden.

Studiendauer

Die Regelstudienzeit bis zum Staatsexamen beträgt gemäß der Approbationsordnung für Ärzte (ÄAppO) 6 Jahre und 3 Monate (13,0 Semester). Zusätzlich wird eine außeruniversitäre Ausbildung gefordert, zu der eine vier Monate andauernde Famulatur und das 48 Wochen dauernde praktische Jahr gehören.

Studienverlauf

Das Medizinstudium ist durch die Approbationsordnung für Ärzte (ÄAppO) bundeseinheitlich geregelt. Es unterteilt sich in die Abschnitte:

  • Vorklinischer Teil (1. bis 4. Semester) an dessen Ende das 1. Staatsexamen („Physikum“) steht. In diesem Teil werden die natur- und sozialwissenschaftlichen Grundlagen der Medizin vermittelt.
  • Klinischer Teil – Es werden Fächer wie Pharmakologie, Pathologie und Dermatologie vermittelt. Ferner gehören das 48 Wochen dauernde „Praktische Jahr“ zu diesem Teil, welcher mit dem 2. Staatsexamen abschließt.

Mit dieser letzten Prüfung hast du dein Studium abgeschlossen und kannst die staatliche Zulassung (Approbation) zur Berufsausübung als Arzt beantragen. Anschließend beginnt in der Regel eine berufsbegleitende Facharztausbildung und du spezialisierst dich auf ein Gebiet. Eine Spezialisierung auf ein Fachgebiet bereits während des Medizinstudiums findet nicht statt.

Famulatur

Während der unterrichtsfreien Zeiten nach dem 1. Staatsexamen bis zum Beginn des praktischen Jahres ist eine 4 Monate andauernde Famulatur (Praktikum) abzuleisten. Ein Monat muss in einer Einrichtung der ambulanten Krankenversorgung geleistet werden, zwei Monate in einem Krankenhaus und ein Monat wahlweise in einer der beiden genannten Einrichtungen.

Praktisches Jahr

Das im letzten Studienjahr stattfindende Praktische Jahr gliedert sich in drei Ausbildungsabschnitte von je 16 Wochen in den Bereichen:

  • Innere Medizin,
  • Chirurgie und
  • Allgemeinmedizin oder einem der übrigen klinisch-praktischen Fachgebiete.

Studienfinanzierung

Das Medizinstudium dauert lang uns ist entsprechend teuer. Neben BAföG (siehe BAföG-Text) oder einem Studienkredit kannst du dich unter anderem um ein Stipendium bewerben. Hier erhältst du einen Überblick über Studienstiftungen in Deutschland.

Welche Eigenschaften und Fähigkeiten sollte ein Arzt haben?

Um den Beruf des Arztes erfolgreich ausüben zu können, solltest du gewisse persönliche Eigenschaften mitbringen. Ärzte müssen sich mit ständig neuen Verfahren zur Diagnose oder Behandlung auseinandersetzen. Dies setzt eine lebenslange Lernbereitschaft voraus.

Als Arzt trägst du eine hohe Verantwortung, die eine große psychische Belastung darstellen kann, schließlich geht es um Menschenleben. Überdies muss ein Arzt über ein gutes Allgemein- und Fachwissen verfügen und gut mit Stress umgehen können, um dem anstrengenden Arbeitsalltag in einer Klinik oder Praxis standhalten zu können. Denn im Durchschnitt kommt ein Arzt auf 50 bis 70 Wochenstunden! Daher solltest du, bevor du dich für den Beruf des Arztes entscheidest, deine Belastungsgrenzen genau kennen.

Der tägliche Umgang mit kranken Patienten erfordert darüber hinaus Einfühlungsvermögen und Kommunikationsfähigkeit.

Die Tätigkeit eines Arztes

Die Aufgaben eines Arztes umfassen das Untersuchen der Patienten, Krankheiten zu diagnostizieren und Befunde zu erheben. Außerdem führt ein Arzt medizinische Behandlungen und Vorsorgeuntersuchungen durch, legt Therapiemaßnahmen fest und dokumentiert Diagnosen sowie Behandlungsabläufe.

Als Arzt bieten sich dir zudem vielfältige Beschäftigungsmöglichkeiten. Du kannst in Krankenhäusern, Praxen oder Kliniken, aber auch in medizinischen Labors und Rehabilitationszentren als Arzt tätig werden. Überdies hast du die Möglichkeit in die Forschung zu gehen, bei Gesundheitsämtern, Ärztekammern, Krankenversicherungen oder in der medizinischen Lehre tätig zu sein.

Weiterbildung und Aufstiegsmöglichkeiten

Hast du deine Berufsausbildung als Arzt beendet, kannst du dich zum Facharzt weiterbilden. Du kannst dich auf die Gebiete Neurologie, Radiologie, Onkologie etc. spezialisieren. Eine Liste aller medizinischen Fachgebiete findest du hier. Während der 5- bis 6-jährigen Weiterbildungszeit wirst du von erfahrenen Ärzten geschult und schließt jede Weiterbildung mit einer Prüfung ab. Zuständig für die Weiterbildung der Ärzte ist die Ärztekammer.

Aufstiegsmöglichkeiten

Nach Beendigung der Berufsausbildung gibt es viele Möglichkeiten, Karriere zu machen. Du kannst dich wie erwähnt zum Facharzt weiterbilden lassen und bis zum Oberarzt aufsteigen. Als Pathologe kannst du dein eigenes Labor leiten oder du gehst in die Gesundheitsbürokratie und kletterst dort die Karriereleiter hoch. Ferner kannst du eine Universitätskarriere einschlagen oder Amtsarzt werden. Aufstiegschancen bieten sich als Arzt also zu genüge. Du musst dich nur für eine Laufbahn entscheiden.

Ansehnliches Gehalt

Der Beruf des Arztes ist nicht nur einer der angesehensten, sondern auch einer der bestbezahltesten. So verdient beispielsweise ein Radiologe oder ein Internist in einem kommunalen Krankenhaus in Nürnberg monatlich rund 4.800 bis 6.000 Euro brutto.

 

Ärzte verdienen an kommunalen Krankenhäusern laut Tarifvertrag monatlich 3.420 bis 4.200 Euro brutto. Fachärzte verdienen zwischen 4.450 und 5.600 Euro und ein leitender Oberarzt erzielt ein Einkommen von etwa 6.500 Euro brutto.

Ärzte an Unikliniken verdienen sogar noch besser:

  • Ärzte: 3.600 bis 4.500 Euro brutto im Westen sowie 3.200 bis 4.000 Euro im Osten.
  • Fachärzte: 4.750 bis 5.500 Euro brutto im Westen sowie 4.200 bis 4.800 Euro im Osten
  • Oberarzt: 5.950 bis 6.800 Euro brutto im Westen und 5.300 bis 6.000 Euro im Osten

Niedergelassene Ärzte kommen auf ein Nettomonatsgehalt zwischen 2.000 und 5.300 Euro.

Der Verdienst von Spezialisten innerhalb einer bestimmten Heilkunde oder von Chefärzten kann jedoch noch höher liegen. Ferner spielen natürlich Berufserfahrung, Verantwortung und Tätigkeit eine Rolle.

Arzt gesucht! – Berufsaussichten

Ärzte sind so gefragt wie nie. Über mangelnde Berufschancen können sich deutsche Medizinstudenten also nicht beklagen. Als junger Arzt kannst du zwischen mehr als 30 Fachbereichen wählen. Da jedes Jahr zu wenig Ärzte auf den Arbeitsmarkt kommen, um alle offenen Stellen zu besetzten, standen die Chancen den Traumjob zu ergattern selten so gut.

Arzt auf Abwegen

Als Arzt musst Du nicht zwangsläufig praktizieren. Nach dem Medizinstudium kannst du auch abseits einer Klinik oder einer Praxis in vielen anderen Bereichen sinnvolle Arbeit leisten: Medizinjournalismus, Medizininformatik, Medizincontrolling, im Marketing, in der wirtschaftlichen Beratung sowie Analyse von Kliniken und Praxen,  in der Entwicklung von Medikamenten oder von technischen Geräten. Die Berufsmöglichkeiten als Arzt sind also sehr vielfältig. Als Arzt hast du also die Qual der Wahl, für welchen Bereich du dich schließlich entscheidest.

Weitere medizinische Fachgebiete: Zahn- und Veterinärmedizin

Neben der Humanmedizin kannst du dich aber auch auf die Veterinärmedizin konzentrieren und Tierarzt werden. Oder du spezialisierst dich schon vor Studienbeginn innerhalb der Humanmedizin auf Zahnmedizin und wirst Zahnarzt.

Persönliche Voraussetzungen

Wenn du Tierarzt werden möchtest, benötigst du im Umgang mit Tieren ebenfalls Einfühlungsvermögen, aber auch Geduld und eine gewisse Körperkraft. Ebenso ist ein geregelter Tagesablauf als Tierarzt auf dem Land nicht möglich, da Kälber oder Fohlen meist nachts zur Welt kommen.

Möchtest Du  Zahnarzt werden, solltest du keine Haltungsschäden haben, da diese die körperlich belastende Arbeit (im Stehen oder gebeugt) beeinträchtigen können. Ebenso solltest du über ein gutes räumliches Sehen verfügen.

Tätigkeit

Das Tätigkeitsfeld des Zahnarztes erstreckt sich über Prävention, Diagnose und Therapie von Zahn-, Mund- und Kiefererkrankungen. Als Zahnarzt kannst du dich in einer freien Praxis niederlassen, als Angestellter in einer Zahnarztklinik oder Praxis arbeiten oder in die Forschung gehen. Überdies kannst du dich durch Fortbildungen auf verschiedene Tätigkeitsschwerpunkte wie „Implantologie“ oder „Parodontologie“ spezialisieren.

Tierärzte befassen sich mit der Gesunderhaltung von Tieren. Dazu gehören die Behandlung von Wunden, Infektionen und Knochenbrüchen sowie das Sterilisieren und Kastrieren, Impfen und Einschläfern eines Tieres.

Tätig werden kann der Tierarzt in Groß- oder Kleintierarztpraxen oder –Kliniken, im Zoo, Veterinärämtern oder Verbraucherschutzministern. Außerdem kannst du als Tierarzt in der Tierseuchenbekämpfung und -verhütung und dem Tierschutz Beschäftigung finden.

Studium

Zahnmedizin

Das Zahnmedizinstudium ist bis auf die Inhalte ähnlich aufgebaut wie das Humanmedizinstudium, dauert aber nur zehn Semester. Die Ausbildung gliedert sich ebenfalls in einen vorklinischen und klinischen Teil von jeweils 5 Semestern und wird mit einer staatlichen Prüfung abgeschlossen. Allerdings beginnt der Student der Zahnmedizin bereits nach dem vorklinischen Teil, welcher mit dem Physikum abschließt, mit der beaufsichtigten Behandlung von Patienten.

Tiermedizin

Tiermedizin kannst du nur an den Hochschulen in Hannover, Berlin, Leipzig, Giessen und München studieren. Die tierärztliche Ausbildung setzt sich aus einem wissenschaftlich-theoretischen Teil von 9 Semestern an einer Hochschule und einem praktischen Studienteil zusammen. Zudem musst du um Tierarzt zu werden die tierärztliche Vorprüfung und die tierärztliche Prüfung ablegen.

Verdienst

Ein Zahnarzt verdient als Angestellter im öffentlichen Dienst durchschnittlich 3.500 bis 4.400 Euro brutto. Ein Tierarzt erhält bei den Kommunen ein Monatsgehalt von 3.400 bis 4.500 Euro.

Diese Themen könnten Sie auch interessieren

Weitere externe Informationen zum Thema