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Berufsspecial - Durchstarten als Journalist
Wie werde ich Journalist?
Der deutsche Zeitungsmarkt ist der größte in Westeuropa. Verantwortlich für die Texte, die wir morgens am Frühstückstisch in der Tageszeitung lesen, sind die Print-Journalisten. Wir erklären, wie man Redakteur wird und welche Aufgaben ein Journalist hat.
Eine Redaktion besteht aus verschiedenen Redakteuren, die jeweils für ein bestimmtes Aufgabengebiet, ein Ressort (Lokales, Nachrichten, Sport, Kultur, Wirtschaft) zuständig sind. Doch Journalist sein bedeutet nicht nur recherchieren und schreiben, sondern auch prüfen, korrigieren, telefonieren, Veranstaltungen aufsuchen und einiges mehr.
- Aufgaben eines Journalisten
- Der Weg in den Traumberuf - wie wird man Journalist?
- Die Journalisten-Schule
- Voraussetzungen für die Arbeit als Journalist
- Gehalt eines Journalisten
- Wie sind die Zukunftschancen für Print-Journalisten?
Was genau macht eigentlich ein Journalist?
- Informationen „überwachen“ (z.B. Agenturmeldungen oder Pressemitteilungen sichten), sammeln und auswerten, für Zielgruppe wichtige Informationen ausfiltern
- Recherche (vor Ort, telefonisch und per Internet)
Das oberste Gebot der Journalisten lautet: Augen und Ohren stets offen halten! Per Fax, E-Mail oder Nachrichtendienste wie die Deutsche Presse Agentur (dpa) bekommen die Redakteure Presseinformationen und bleiben so auf dem Laufenden. Aus der Masse an Informationen, die die Journalisten „geliefert“ bekommen, gilt es dann genau die Themen herauszusuchen, die am interessantesten für die Leser sind. Das kommt natürlich ganz auf die Zielgruppe an, so stimmt z. B. die Erwartungshaltung der BILD-Leser an die Themen und die Aufbereitung dieser Themen nicht mit der von FAZ-Lesern überein. Nach dieser Erwartungshaltung müssen sich auch die Redakteure richten.
- Informationen für die Zielgruppe aufbereiten
Die gesammelten Informationen müssen dann für die jeweilige Zielgruppe aufbereitet werden. So hat jede Zeitung ihre eigene „Sprache“, in der die Artikel erscheinen sollen. Die FAZ hat einen anderen Schreibstil als die BILD, dafür genügt bereits ein Blick auf die Überschriften der Artikel. Journalisten müssen sich oft auch schwierigen oder brisanten Themen widmen, auch hier gilt es, die Informationen zielgruppengerecht und vor allem verständlich aufzubereiten.
- Tätigkeiten außerhalb des Redaktionsbüros: Interviews führen, Veranstaltungen besuchen, Pressekonferenzen und -veranstaltungen besuchen, etc.
- Fotografieren
Doch wer denkt, ein Print-Journalist säße nur den ganzen Tag am Schreibtisch und schreibe Texte, irrt. Immer wieder steht der Besuch von Pressekonferenzen oder –veranstaltungen auf dem Programm. Auch Interviews sind an der Tagesordnung – vom Passanten auf der Straße bis hin zu hochkarätigen Politikern oder Stars, natürlich abhängig davon, in welchem Ressort man tätig ist.
- Artikel am PC einpflegen
Der Computer hat Setzer, Korrektoren und Hersteller arbeitslos gemacht und die Redakteursarbeit verwandelt. Denn heute zählte es auch zu den Aufgaben des Print-Redakteurs, den Satz und das Layout im Computersystem zu bearbeiten.
- Bereits vorhandene Beiträge aktualisieren und bearbeiten
Da viele Themen sich im Laufe des Tages noch verändern, gehört es auch zur Arbeit eines Journalisten, die bereits geschriebenen Artikel anzupassen und auf dem neusten Stand zu halten. Ebenso zählt es zu seinen Aufgaben, Texte freier Autoren zu prüfen und zu redigieren. Das bedeutet, der Text wird so bearbeitet, dass er verständlich ist, auf das Wesentliche beschränkt und vor allem auf die Zielgruppe zugeschnitten.
- Planung von zukünftigen Themen und Terminen
Ein Journalist arbeitet meist eigenverantwortlich. Die redaktionelle Leitung obliegt dem Chefredakteur, mit dem jeder Redakteur seine Beiträge abstimmt. Doch auch der Redakteur nimmt an der Planung zukünftiger Zeitungsausgaben teil. Eine weitere wichtige Person ist der CvD, der Chef vom Dienst, der als Schnittstelle zwischen Redaktion, Herstellung und Vertrieb fungiert. Er sorgt für die Einhaltung der Termine und die Koordination zwischen den verschiedenen Ressorts.
Der Weg in den Traumberuf - wie wird man Journalist?
„Redakteur“ und "Journalist" sind keine festen Berufsbezeichnungen, dementsprechend gibt es auch keine gesetzlich geregelte Berufsausbildung. Der Weg zu einer Stelle als Redakteur führt in 80 Prozent der Fälle über ein Volontariat (Volo).
Das Volontariat
Ein Volontariat ist eine journalistische Ausbildung, die in der Regel zwei Jahre dauert und für die meist ein Hochschulabschluss gefordert wird. Als Voraussetzung gilt außerdem, dass der Volontär mindestens 20 Jahre alt ist. Seit 1990 gibt es Tarifverträge, die verbindliche Angaben darüber machen, was ein Volontariat leisten muss.
Hier finden Sie den aktuellen Volontärs-Tarifvertrag für Tageszeitungen. Er gilt für alle Verlage, die Mitglied im Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger sind.
Diese Kenntnisse und Erfahrungen sollten im Volontariat vermittelt werden:
- Journalistische Tätigkeiten (Recherchieren, Schreiben, Redigieren, Auswählen und Bewerten)
- Die Darstellungsformen (Nachricht, Bericht, Interview, Reportage, Bild, Feature, Glosse und Kommentar)
- Layout- und Umbruchtechnik
- Arbeit mit einem ggf. vorhandenen rechnergesteuerten Redaktionssystem
- die Einführung in die Arbeitsweise der übrigen Bereiche des Verlags einschließlich der technischen Herstellung der Zeitung
- Aufgaben und Arbeitsweisen der Medien, der Pressegesetze und den einschlägigen Grundzügen des Verfassungsrechts sowie Bestimmungen des Urheber- und Verlagsrechts
So läuft das Volontariat ab
Während seines Volontariats durchläuft der Redaktionsvolontär, ähnlich wie in einer Ausbildung mehrere Stationen und lernt mindestens drei Ressorts kennen: Lokales, Politik (Nachrichten) und ein drittes Ressort (z.B. Wirtschaft, Kultur oder Sport). In den verschiedenen Ressorts wird der Volontär jeweils mindestes zwei Monate lang beschäftigt. Außerdem hat er Anspruch auf die Teilnahme an außerbetrieblichen Bildungsmaßnahmen von insgesamt mind. vier Wochen Dauer, die der Arbeitgeber bestimmt. Die Kosten dafür trägt der Verlag.
Die Bezahlung der Tageszeitungen-Volontäre richtet sich nach Alter und erstem oder zweiten Ausbildungsjahr sowie nach den Tarifverhandlungen für Redakteurinnen und Redakteure an Tageszeitungen. Ab 1. Oktober 2010 gilt: Im ersten Ausbildungsjahr ist das Gehalt für junge Leute unter 21 Jahren 1.583 Euro, ab 21 Jahren werden 1.755 Euro gezahlt. Im zweiten Ausbildungsjahr gibt es 2.043 Euro, sowie Jahresleistung (95 Prozent) und Urlaubsgeld (80 Prozent).
Eine Abschlussprüfung am Ende eines Volontariates gibt es nicht. Der Volontär erhält ein Zeugnis, das ihm im Regelfall die Wege für eine Redakteurstätigkeit öffnet.
Voraussetzungen für ein Volontariat
Voraussetzung für ein Volontariat ist meist ein abgeschlossenes Hochschulstudium, z.B. in
- Journalismus (z.B. in Kombination mit Medienkommunikation an der Fachhochschule des Mittelstandes Bielefeld)
- Journalistik (z.B. Technische Universität Dortmund, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt)
- Publizistik (z.B. Uni Mainz)
- Kommunikationswissenschaften (z.B. Uni Greifswald) oder
- Medienwissenschaft (z.B. Uni Trier).
Die Grenzen zwischen diesen Studiengängen sind oft fließend. Im Journalistik-Studium gelten die Dortmunder und die Leipziger Ausbildung als erfolgreiches Modell. Hier kann sich nur zur Abschlussprüfung melden, wer während des Studiums ein Volontariat absolviert.
Doch man muss nicht zwingend Journalismus studiert haben um als Journalist zu arbeiten. Denn auch ein Fachstudium, z.B. in Politikwissenschaften, Geschichte oder Germanistik ermöglicht den Weg in den Journalismus. Einige Zeitungsmacher raten sogar dazu, ein spezifisches Fach zu studieren, das einen sehr interessiert. Wer Politikwissenschaften studiert hat und sich sehr gut damit auskennt, wird mitunter eher eine Stelle im Ressort Politik einer Tageszeitung bekommen als ein Journalismus-Student, der weniger Ahnung von Politik hat. Wer gerne für das Ressort Sport arbeiten möchte, kann ein Sportstudium absolvieren, wer im Ressort Kultur schreiben möchte, für den kommt mitunter Kultur- oder Theaterwissenschaften in Frage.
Der Weg über eine Journalisten-Schule
Ein weiterer Weg zur Redakteurstätigkeit ist das Studium an einer Journalistenschule. Dies bietet sich z.B. auch für Absolventen eines Fachstudiums an, das noch keine journalistischen Kenntnisse beinhaltet. Denn die Ausbildung an einer Journalistenschule ähnelt mehr einem Volontariat als einem Journalismus-Studium. Die renommierteste Journalistenschule in Deutschland ist die Deutsche Journalistenschule. Sie bildet Redakteure aus und ist sogar kostenlos. In der Deutschen Journalistenschule wird fünf Monate im Bereich Print, 2 Monate Hörfunk und 2 Monate Fernsehen unterrichtet. Daran schließen sich zwei jeweils dreimonatige Praktika bei einer Zeitung, Zeitschrift, Nachrichtenagentur, Fernsehen, Hörfunk oder Öffentlichkeitsarbeit an. Weitere bekannte Journalistenschulen sind z.B. die Henri-Nannen-Schule und die Axel Springer Akademie.
Wer an eine Journalistenschule möchte, muss sich allerdings durch einen langen Bewerbungsprozess quälen. Dazu gehört meist das Schreiben einer Reportage zu einem grob vorgegebenen Thema und schließlich mehrere Auswahltests und - gespräche. Nur eine schmale Elite schafft schließlich die Aufnahme.
Welche Voraussetzungen muss ich für eine Tätigkeit als Journalist mitbringen?
Die Wege zu einer Redakteurs-Tätigkeit sind, wie beschrieben, vielfältig. Grundvoraussetzung ist in beinahe allen Fällen ein Studium – sei es nun ein journalistisches oder ein Fachstudium. Ebenso wichtig ist Praxiserfahrung. Egal ob bei der Lokalredaktion oder einer größeren, überregionalen Zeitung – das Journalistenhandwerk lernt man am besten in der Praxis und dort am besten als freier Mitarbeiter. Außerdem gilt: Egal ob man sich für ein Volontariat oder eine Journalistenschule bewirbt, journalistische Arbeitsproben sind ein Muss! Zudem kann man in der Praxis direkt wichtige Kontakte knüpfen, die einem nach dem Studium bei der Suche nach einem Volontariat helfen können.
Wer Redakteur bei einer allgemeinen Tageszeitung werden möchte, sollte außerdem eine sehr gute Allgemeinbildung sowie eine schnelle Auffassungsgabe besitzen. Wer als Redakteur in einer Lokalredaktion arbeitet, sollte sich in der Umgebung auskennen und auch ein Interesse an den Vorgängen dort haben. Ebenso können sehr gute deutsche Rechtschreibung und Orthografie bei einem Redakteur als selbstverständlich vorausgesetzt werden.
Bei den persönlichen Voraussetzungen stehen Flexibilität, Stressresistenz und Belastbarkeit an oberster Stelle. Als Redakteur muss man mitunter auch am Wochenende arbeiten, denn natürlich soll Montags die druckfrische Zeitung im Briefkasten der Nachbarn landen. Auch Termindruck sollte man aushalten können, denn oft müssen enge Redaktionstermine eingehalten werden. Wer nicht konflikt- und kritikfähig ist, hat in der Redaktion ebenfalls nichts verloren. Auch gehört ein gewisses Maß an Neugierde zu den Eigenschaften eines Redakteur. Kommunikationsfähigkeit ist unerlässlich, wenn es um Interviews oder Reportagen geht. Auch Kreativität ist gefragt, bei der einen Tageszeitung mehr, bei der anderen weniger.
Was verdient ein Redakteur?
Das Gehalt eines Redakteurs richtet sich nach Berufserfahrung und Verantwortlichkeit.
Nach dem Gehaltstarifvertrag für Redakteure ergibt sich beim Gehalt folgende Staffelung:
| Redakteurinnen/ Redakteure | ab 1.10.2009 |
| a) im 1. bis 3. Berufsjahr | 2.987,– € |
| b) im 4. bis 6. Berufsjahr | 3.467,– € |
| c) im 7. bis 10. Berufsjahr | 4.000,– € |
| d) ab 11. Berufsjahr | 4.401,– € |
Hier finden Sie den Gehaltstarifvertrag für Redakteure und Redakteurinnen an Tageszeitungen.
Wie sind die Zukunftschancen für Print-Journalisten?
Während die Zeitung über Jahrhunderte hinweg keine Konkurrenz zu fürchten hatte, leidet sie heute erheblich unter dem Wachstum des Fernsehens und der Neuen Medien. Denn die neuesten Infos gibt es bereits im TV oder online, während die Tageszeitung sie erst am nächsten Tag druckfrisch in die Briefkästen der Leser befördern kann. Von 2004 bis 2009 sank die Zahl derjenigen, die sich in der Zeitung über tagesaktuelle Geschehnisse informieren, von 52 auf 46 Prozent.

Quelle: ACTA-Studie 2009 (PDF, 6,02 MB)
20 Prozent informierten sich 2009 über tagesaktuelle Geschehnisse im Internet, fünf Jahre zuvor waren es noch 10 Prozent. Und das Fernsehen steht mit 64 Prozent ganz oben. Dennoch hat die Zeitung zwei entscheidende Vorteile: 1. Die Glaubwürdigkeit und 2. das Ritual der Zeitungslektüre am Morgen. Darauf möchten viele Menschen nicht verzichten. Generell gilt, dass ein Volontariat bei einer Tageszeitung so viele allgemeine journalistische Kenntnisse vermittelt, dass es auch Berufsmöglichkeiten bei Zeitschriften oder im Online-Bereich ermöglicht.
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