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Arbeitszeugnis

Das Arbeitszeugnis als Bescheinigung über deine Leistungen

In jede Bewerbung gehören aussagekräftige Arbeitszeugnisse, die den potentiellen Arbeitgeber über Leistungsbereitschaft und bereits erworbene Qualifikationen informieren. Deshalb ist es wichtig, dass du dir bei jedem Beschäftigungsverhältnis ein Arbeitszeugnis ausstellen lässt. Doch dabei gibt es einiges zu beachten!

Wozu braucht man ein Arbeitszeugnis?

Wer in seinem Lebenslauf Berufserfahrungen angibt, der muss damit rechnen, dass die potentiellen Arbeitgeber über die früheren Beschäftigungsverhältnisse ein Arbeitszeugnis sehen wollen. Daraus kann der Arbeitgeber die nötigen Schlüsse ziehen, ob deine Qualifikationen und Fähigkeiten für die ausgeschriebene Stelle ausreichend sind. Auch die Beurteilung deiner Person kann für den Arbeitgeber ein wichtiges Entscheidungskriterium dafür sein. Demnach solltest du dir für jedes Praktikum und jede Beschäftigung von deinem Arbeitgeber ein Arbeitszeugnis ausstellen lassen.

Dein Recht auf ein Arbeitszeugnis ist sogar in Paragraph 630 des Bürgerlichen Gesetzbuches festgeschrieben. Dort heißt es, dass der Verpflichtete von dem anderen Teil ein schriftliches Zeugnis über das Dienstverhältnis und dessen Dauer fordern kann. Von sich aus ist der Arbeitgeber also nicht verpflichtet, dir ein Arbeitszeugnis auszustellen, deiner Bitte darum muss er aber nachkommen.

Einfaches oder qualifiziertes Arbeitszeugnis?

Es existieren prinzipiell zwei verschiedene Arten von Arbeitszeugnis. Zum einen gibt es ein einfaches und zum anderen ein qualifiziertes Arbeitszeugnis. In beiden Fällen erlischt dein Anspruch darauf aber nach 3 Jahren.

Einfaches Arbeitszeugnis:

Darin sind nur die durchgeführten Aufgaben und die Dauer der Beschäftigung aufgeführt. Außerdem ist es wertfrei. Das heißt: es werden keine Angaben über deine Leistungen gemacht. In der Regel schreiben Arbeitgeber ein einfaches Zeugnis, wenn deine erbrachten Leistungen eher schlecht waren. Der Arbeitgeber will so die Erwähnung von eventuellen Vorkommnissen vermeiden.

Qualifiziertes Arbeitszeugnis:

Im Gegensatz zu dem einfachen Zeugnis enthält ein qualifiziertes Arbeitszeugnis zusätzliche Beurteilungen über deine Leistungen und dein Verhalten. Außerdem enthält es eine Gesamtbeurteilung.

Du solltest in jedem Fall auf ein qualifiziertes Arbeitszeugnis bestehen. Zum einen ist die Aussagekraft bei diesem Zeugnis wesentlich höher. Zum anderen kann dann niemand den (Fehl-)Schluss ziehen, dein Arbeitgeber hätte auf eine Bewertung deiner Leistungen verzichtet, weil er nicht viel Positives zu sagen hatte.


Geheimcodes der Arbeitsgeber

Es gibt bestimmte Reglungen, die besagen, dass sich Arbeitgeber im Arbeitszeugnis ausschließlich positiv über ihren Arbeitnehmer äußern dürfen, um ihm für seine berufliche Zukunft keine Steine in den Weg zu legen. Das Arbeitszeugnis muss von seinem Charakter her dem Arbeitnehmer gegenüber gut und wohlwollend sein. Das hört sich erstmal gut an, allerdings ist dadurch unter den Arbeitgebern eine Art „Geheimsprache“ entstanden. Von einem Geheimcode kann beim Arbeitszeugnis jedoch schon lange nicht mehr die Rede sein, da schon eine ganze Reihe von Büchern über den Geheimcode im Arbeitszeugnis geschrieben wurden.

Streng genommen kann man der Gewerbeordnung (§109, Abs.2) zwar entnehmen, dass jeglicher Geheimcode verboten ist. So heißt es dort, das Arbeitszeugnis dürfe keine Merkmale oder Formulierungen enthalten, die den Zweck haben, eine andere als der äußeren Form oder aus dem Wortlaut ersichtliche Aussage über den Arbeitnehmer zu treffen. So eine Regelung lässt sich aber natürlich nur schwer durchsetzen. Da es diese Geheimsprache also gibt, solltest du die wichtigsten Tricks kennen.

Der Geheimcode im Arbeitszeugnis

Da, wie gesagt, negative Formulierungen nicht rechtens sind, ist für die „wahre“ Bedeutung einer Aussage die Anzahl und Bedeutung der Prädikate wichtig. Ein Beispiel dafür, wann Aussagen in deinem Arbeitszeugnis wirklich positiv sind, findest du hier:

  • Sehr gut: Die Aufgaben wurden stets/immer/in jeder Hinsicht zu unserer vollsten Zufriedenheit ausgeführt
  • Gut: Die Aufgaben wurden stets zu unserer vollen Zufriedenheit ausgeführt.
  • Befriedigend: Die Aufgaben wurden zu unserer vollen Zufriedenheit ausgeführt.
  • Ausreichend: Die Aufgaben wurden zu unserer Zufriedenheit ausgeführt.
  • Mangelhaft: Die Aufgaben wurden im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit ausgeführt
  • Ungenügend: Herr/ Frau … hat sich bemüht, unserer Aufgaben zu erledigen

Wenn dir ein Bemühen bescheinigt wird, ist das immer ein sehr schlechtes Zeichen. Denn die bloße Erwähnung des Bemühens besagt, dass dieses gescheitert sein muss.

Ebenfalls von  Bedeutung ist, welche Kriterien bei dir erwähnt werden. Betont eine Formulierung zum Beispiel deine Pünktlichkeit, deutet das auf ein Versagen in anderen Bereichen hin. Denn Pünktlichkeit gilt allen Arbeitgebern als Selbstverständlichkeit, die keiner besonderen Erwähnung bedarf. Ebenso klingt eine Formulierung wie „er/sie arbeitete sehr genau“ zunächst positiv. Dahinter verbirgt sich jedoch oftmals der Vorwurf, dass du zu langsam gearbeitet hättest.

Das gehört ins Arbeitszeugnis

Auf jeden Fall gehören in ein qualifiziertes Arbeitszeugnis eine umfassende Beschreibung des Tätigkeitsfeldes sowie eine Leistungs- und Verhaltensbewertung. Die Bewertung kann folgende Bereiche beinhalten

Leistungsbeurteilung

  • Arbeitsbereitschaft / Motivation / Eigeninitiative
  • Arbeitsbefähigung / Können / Kenntnisse
  • Arbeitsweise
  • Belastbarkeit
  • Zuverlässigkeit
  • abschließende Leistungsbewertung

Verhaltensbeurteilung

  • Eigenschaften
  • Verantwortungsbereitschaft
  • Vertrauenswürdigkeit und Loyalität
  • Sozialverhalten (gegenüber Vorgesetzten, Kollegen, Dritten)
  • ggf. Führungsverhalten

Zum Ende gehören in ein gutes qualifiziertes Arbeitszeugnis auf jeden Fall auch eine Danksagung für die geleistete Arbeit sowie ein Bedauern über dein Ausscheiden und Zukunftswünsche. Auch hier gibt es viele Möglichkeiten für den Arbeitgeber, dich in ein schlechtes Licht zu rücken. Fällt etwa das Bedauern etwas zu knapp aus oder fehlt sogar ganz, bedeutet das nichts anderes, als dass man froh ist, dich endlich los zu sein. Wünscht man für die Zukunft alles Gute und auch Erfolg, heißt das übersetzt, dass das vorherige Arbeitsverhältnis wohl nicht gerade von Erfolg gekrönt war.

Weitere versteckte Codes

Die Möglichkeiten, geheime Botschaften in ein qualifiziertes Arbeitszeugnis einzubauen, gehen aber noch viel weiter. So weit, dass ernstlich daran gezweifelt werden darf, ob der potentielle Arbeitgeber alle Geheimcodes des alten Arbeitgebers versteht. Oder andersherum: Ob der mögliche neue Arbeitgeber nicht irgendwelche Codes sieht, die vom alten Arbeitgeber gar nicht so gemeint waren.

Noch eher gängig ist da natürlich das Auslassen wichtiger Informationen. Wird eine hohe Motivation zum Beispiel gar nicht erst erwähnt, wird dir wohlmöglich in diesem Bereich ein Defizit unterstellt. Möglich ist aber ebenso, dass dein alter Arbeitgeber das Thema nicht bewusst unterschlagen, sondern schlicht vergessen hat. Deshalb ist es umso wichtiger, dass du dein qualifiziertes Arbeitszeugnis genau kontrollierst und mögliche Schwachstellen offen ansprichst.

Neben der weiter oben bereits erwähnten Technik, unterstützende Prädikate wegzulassen, um eine negative Aussage zu tätigen, gibt es aber natürlich noch weitere Kniffe. Achte darauf, ob Formulierungen merkwürdig erscheinen oder eventuell zweideutig sind. So kann zum Beispiel durch den Satz Er stand immer voll (!) hinter dem Unternehmen ein problematischer Umgang mit Alkohol angesprochen werden. Man beachte das Wörtchen voll. Ein Satz wie Er bewies großes Einfühlungsvermögen für seine Kollegen kann anzeigen, dass jemand homosexuell ist. So etwas hat natürlich in einem Arbeitszeugnis überhaupt nichts zu suchen! Auch wenn ein vermeintlich gutes Arbeitszeugnis vorliegt, das am Ende den Satz Für Rücksprachen steht der Unterzeichner gerne zur Verfügung beinhaltet, sollte man sich Gedanken machen. Dahinter könnte eine Aussage wie Ruf mich an, dann sag ich dir, was wirklich los war stehen. Eine ganze Reihe solcher Formulierungen findest du hier.

Das gehört nicht ins Arbeitszeugnis

Welche Punkte in deinem Arbeitszeugnis nicht fehlen dürfen, wurde bereits besprochen. Es gibt aber auch einige Aspekte, die in einem Arbeitszeugnis nichts verloren haben. Dazu gehören:

  • Anspielungen auf die sexuelle Orientierung
  • Partei- oder Gewerkschaftszugehörigkeiten
  • Krankheitszeiten
  • Kündigungsgrund (dem müsst ihr zustimmen!)

Weitere Tipps

Sobald man von seinem Arbeitgeber das Arbeitszeugnis erhalten hat, sollte es auf Richtigkeit, Rechtschreibfehler, fehlende Angaben, Glaubwürdigkeit und Geheimsprache geprüft werden. Solltest du Fehler finden oder mit Formulierungen nicht zufrieden sein, kannst du deinen Arbeitgeber bitten, dass er dir die Formulierungen erklärt bzw. dass er sie ändert. Gesetzlich hast du ein Recht auf Widerspruch, sodass du von deinem Arbeitgeber eine verbesserte Version fordern darfst.

Vielleicht kannst du auch eigene Vorschläge zu den Formulierungen machen. In manchen Fällen lassen Arbeitgeber den scheidenden Angestellten das Arbeitszeugnis selbst schreiben. Wichtig ist, dass das Zeugnis von einem ranghöheren Mitarbeiter des Unternehmens unterzeichnet wird.

Ausführliche Informationen zu diesem Thema findest du auch auf arbeitszeugnis.de. Ein sehr informatives PDF stellt auch die Arbeitnehmerkammer zur Verfügung.

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