Anwalt werden

Wie werde ich eigentlich Anwalt?

Um Anwalt zu werden, brauchst Du einen Universitätsabschluss in Rechtswissenschaft. Das Jura Studium dauert mindestens 7 Jahre und schließt mit dem 2. Staatsexamen ab. Nach dem Studium erwarten Dich spannende Aufgaben und ein vielseitiger Berufsalltag.

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Menschen zu Gerechtigkeit verhelfen oder Kriminelle ins Gefängnis bringen – der Beruf des Rechts- oder Staatsanwaltes bringt viele interessante und aufregende Aufgaben und Perspektiven mit sich. Darüber hinaus ist die Tätigkeit als Anwalt hoch angesehen und oft lukrativ. Wer Anwalt werden möchte, muss zunächst allerdings ein langes und sehr anspruchsvolles Studium absolvieren. Die heiß begehrten Stellen als Richter oder Staatsanwalt bei Gericht oder als Rechtsanwalt bei einer angesehenen Kanzlei bleiben zudem meist den besten Absolventen vorbehalten.

Jura studieren und Anwalt werden

Das Studium der Rechtswissenschaften – meist Jura Studium genannt – schließt mit dem 2. Staatsexamen ab. Der mehrjährigen universitären Ausbildung folgt ein 2-jähriges Rechtsreferendariat. Wer Jura studieren und Anwalt werden möchte, hat eine anstrengende Ausbildung vor sich. Dennoch gehört das Jura Studium seit einigen Jahren zu den beliebtesten Studiengängen.

Studienmöglichkeiten

Wenn Du Anwalt werden möchtest, brauchst Du das Abitur oder die Fachgebundene Hochschulreife im Bereich Rechtswissenschaften. Denn das klassische Jura Studium kannst Du nur an einer Universität absolvieren. Das Bundesland Brandenburg lässt Dich auch mit der Fachhochschulreife zu einem Studium der Rechtswissenschaften zu. Fast jede Universität in Deutschland bietet ein rechtswissenschaftliches Studium an. Die folgende Tabelle zeigt Dir beliebte Jura Studiengänge:

Zulassungsvoraussetzungen zum Jura Studium

Das Jura Studium ist an einigen Hochschulen durch einen Numerus clausus (NC) begrenzt. Die genauen Auswahlgrenzen erfährst Du auf www.nc-werte.info. Der höchste NC im Wintersemester 2012/2013 lag bei 1,7 an der Humboldt Universität zu Berlin. An der Uni Marburg und der Uni Augsburg war das Jura Studium in den letzten Semestern dagegen zulassungsfrei. An vielen Hochschulen kannst Du nur im Wintersemester anfangen, Jura zu studieren. In der Regel gibt es neben dem NC keine weiteren Zulassungsbedingungen.

Allerdings solltest Du noch einige persönliche Voraussetzungen erfüllen, wenn Du Anwalt werden und im Studium sowie im späteren Berufsleben erfolgreich sein möchtest: Du solltest Begeisterung am Argumentieren und Hinterfragen mitbringen und Dich gut ausdrücken können. Weitere wichtige Fähigkeiten sind Organisationstalent und Einfühlungsvermögen – schließlich arbeitest Du als Anwalt mit Menschen zusammen, die in Konfliktsituationen stecken.

Sehr hilfreich ist es zudem, wenn Du selbstbewusst bist und überzeugend und ausdrucksstark wirkst. Für das Jura Studium benötigst Du darüber hinaus viel Selbstdisziplin und Ausdauer, da die universitäre Ausbildung lange dauert und meist sehr theorielastig ist. Wenn Du Dich beim Auswendiglernen schnell langweilst, ist ein Jura Studium möglicherweise die falsche Wahl für Dich.

Studienverlauf

Das klassische Jura Studium gliedert sich in der Regel in 4 Semester Grundstudium und weitere 5 Semester Hauptstudium. Im Hauptstudium wählst Du einen Schwerpunkt. Je nach Bundesland und Hochschule variiert der Studienverlauf leicht. Besonders bei den angebotenen Schwerpunktfächern gibt es häufig Unterschiede.

Meist schließt Du das Grundstudium mit einer Zwischenprüfung ab. Diese ist nicht an allen Universitäten erforderlich. Bei einem Hochschulwechsel ist sie allerdings häufig Voraussetzung. Die Zwischenprüfung  besteht meist aus mehreren schriftlichen und mündlichen Einzelprüfungen.

Nach dem Hauptstudium legst Du die „1. Juristische Prüfung“ (früher: „1. Staatsexamen“) ab. Diese besteht aus einer Pflichtfachprüfung und einer Schwerpunktbereichsprüfung. Die Pflichtfachprüfung umfasst die Inhalte des Grundstudiums, macht 70 % Deiner Note aus und besteht aus mehreren schriftlichen sowie einer mündlichen Prüfung. Die Schwerpunktbereichsprüfung prüft Deine Kenntnisse im Schwerpunktbereich des Hauptstudiums. Diese Prüfung macht 30 % Deiner Note aus. Die Prüfungsvorschriften für die 1. Juristische Prüfung variieren je nach Bundesland. Ist die Prüfung bestanden, hast Du den universitären Teil Deiner Ausbildung, um Anwalt zu werden, absolviert.

Studieninhalte

Die Inhalte des Grundstudiums bestehen in jedem Jura Studium aus den Bereichen Bürgerliches Recht beziehungsweise Zivilrecht, öffentliches Recht und Strafrecht.

Die Inhalte des Hauptstudiums variieren je nach Hochschule. Auch bei der Wahl des Schwerpunktes im Hauptstudium hängen Deine Auswahlmöglichkeiten von der jeweiligen Hochschule ab.

Mögliche Schwerpunkte im Studium sind:

  • Europäisches Recht
  • Medienrecht
  • Umweltrecht
  • Wettbewerbsrecht
  • Kultur- und Kirchenrecht
  • Grundlagen des Rechts

Mit diesen Inhalten beschäftigst Du Dich im Grund- und Hauptstudium:

  • Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)
  • Grundgesetz, Grundrechte
  • Zivilprozessordnung, Zivilprozessrecht
  • Erbrecht
  • Schuldrecht
  • Sachenrecht
  • Handelsrecht
  • Gesellschaftsrecht
  • Familienrecht
  • Arbeits- und Sozialrecht
  • Strafrecht, Strafprozessrecht
  • Staatsrecht

Wenn Du Anwalt werden möchtest, sind vertiefte Kenntnisse der Gesetzeslage unabdingbar. Entgegen einem weit verbreiteten Gerücht besteht das Jura Studium aber nicht daraus, Paragraphen auswendig zu lernen. Vielmehr gilt es, die Systematik hinter den Gesetzen zu verstehen. Dennoch ist das Jura Studium sehr theorielastig und anspruchsvoll. Du lernst, Gesetze richtig zu lesen und zu verstehen und dementsprechend mit ihnen umzugehen. Neben den oben genannten Inhalten kannst Du an manchen Universitäten fachbezogene Fremdsprachenkenntnisse erlangen, die eine zusätzliche Qualifikation im späteren Berufsleben darstellen.

Abschluss

Das eigentliche Jura Studium schließt Du nach 9 Semestern Regelstudienzeit mit der 1. Juristischen Prüfung ab. Anwalt werden kannst Du aber erst nach einem 2-jährigen Rechtsreferendariat und dem daran anschließenden „2. Staatsexamen“. Das 1. Staatsexamen berechtigt Dich lediglich zur Aufnahme des Referendariats und ist damit nur der erste Schritt, um Anwalt zu werden.

Im Referendariat besuchst Du Lehrveranstaltungen, die berufstätige Richter und Anwälte halten. Gleichzeitig bist Du praktisch in unterschiedlichen juristischen Bereichen tätig. Das Referendariat gliedert sich in verschiedene Stationen, die Du nacheinander besuchst. Dies bietet Dir eine 1. berufliche Orientierung.

Die verschiedenen Stationen des Rechtsreferendariats sind in der Regel:

  • Zivilstation: Bei einem Amts- oder Landgericht
  • Strafstation: Bei einer Staatsanwaltschaft oder einem Strafgericht
  • Verwaltungsstation: Bei einem Verwaltungsgericht oder einer Behörde
  • Anwaltsstation: In einer Anwaltskanzlei
  • Wahlstation

Als Rechtsreferendar stehst Du in einem Arbeitsverhältnis mit dem jeweiligen Bundesland und erhältst eine Vergütung von etwa 800 € monatlich.

Zum Ende des Referendariats hin absolvierst Du das 2. Staatsexamen. Dieses beinhaltet mehrere schriftliche Prüfungen, die die Bundesländer nach bundesweit einheitlichen Regeln durchführen. Einige Monate nach den schriftlichen Prüfungen legst Du noch eine mündliche Prüfung ab. Beim 2. Staatsexamen werden andere Schwerpunkte gesetzt als bei der 1. Juristischen Prüfung. Um Anwalt zu werden, musst Du das 2. Staatsexamen bestehen. Die Durchfallquote ist sehr hoch. Im Jahr 2011 lag die Durchfallquote in Schleswig-Holstein beispielsweise bei fast 30 %. Falls Du durchfällst, musst Du Deinen Traum, Anwalt zu werden, allerdings noch nicht begraben. Du hast die Möglichkeit, die Prüfung ein 1 Mal zu wiederholen.

Bestehst Du das 2. Staatsexamen, ist Deine juristische Ausbildung abgeschlossen und Du kannst nun Anwalt werden. Die Noten im Jura Studium fallen in der Regel schlechter aus als in anderen Studiengängen. Nur etwa 15 % der Absolventen erhalten die Benotung „vollbefriedigend“ oder besser. Damit erlangen sie ein „Prädikatsexamen“, das ihre Chancen auf dem Berufsmarkt deutlich verbessert.

Mit dem 2. Staatsexamen steht Dir eine Berufstätigkeit als Rechtsanwalt, Staatsanwalt, Richter oder Notar offen. Du kannst Dich fortan „Assessor“ oder „Volljurist“ nennen und Deine Zulassung als Anwalt beantragen.

Das folgende Video fasst das Jura Studium und die Berufsperspektiven danach übersichtlich zusammen:

Nach dem Jura Studium?

Nach dem Jura Studium erfüllst Du alle Voraussetzungen, um Anwalt zu werden. Allerdings können sich nur die besten  10-15% der Absolventen ihren juristischen Beruf frei aussuchen. Diese gehen häufig in den Staatsdienst und arbeiten als Richter oder Staatsanwalt. Alternativ werden sie als Rechtsanwalt in einer großen Anwaltskanzlei tätig. Für viele der restlichen Absolventen gestaltet sich der Berufseinstieg eher schwierig. Sie haben aber die Möglichkeit, eine Berufstätigkeit als Fachanwalt in einem spezifischen Fachbereich aufzunehmen oder freiberuflich zu arbeiten. Fachbereiche können beispielsweise das Steuerrecht, das Verkehrsrecht oder das Familienrecht sein.

Welche Aufgaben übernehme ich als Anwalt?

Als Anwalt hast Du ein vielseitiges Berufsfeld. Viele Fernsehsendungen suggerieren, dass die Arbeit eines Rechts- oder Staatsanwalts überwiegend vor Gericht stattfindet. Stattdessen bringen die Fälle, die Du als Anwalt annimmst, viele verschiedene Aufgaben mit sich.

Als Rechtsanwalt vertrittst Du Mandanten. Deine Aufgaben sind beispielsweise:

  • Pflichtverteidigung
  • Rechtsberatung
  • Vergleiche aushandeln
  • Prozesshandlung
  • Plädoyers halten
  • Verträge überprüfen und entwerfen

Als Rechtsanwalt bist Du Deinem Mandanten verpflichtet und handelst in seinem Interesse. Gleichzeitig bist Du auch der Rechtsordnung verpflichtet und darfst nicht rechtswidrig handeln.

Als Staatsanwalt bist Du verbeamtet und vertrittst den Staat. Zu Deinen Aufgaben gehören:

  • Ermittlungs- und Strafverfahren beurteilen
  • Festnahmen beantragen
  • Ermittlungsmaßnahmen beim Richter beantragen (zum Beispiel Durchsuchungsbefehle)
  • Verdächtige oder Zeugen vernehmen
  • Plädoyers halten

Wie erfolgt der Berufseinstieg?

Nach dem 2. Staatsexamen ist ein direkter Berufseinstieg möglich. Deine Einsatzbereiche, wenn Du Anwalt werden willst, sind vielfältig. Als Rechtsanwalt arbeitest Du in einer Anwaltskanzlei oder wirst in einem Unternehmen als Rechtsbeistand tätig. Alternativ kannst Du Dich auch mit einer eigenen Kanzlei selbstständig machen. Als Staatsanwalt arbeitest Du bei der Staatsanwaltschaft des jeweiligen Bundeslandes.

Welche Karriereaussichten habe ich?

Mit dem 2. Staatsexamen erhältst Du eine Befähigung zum Richteramt. Neben der Möglichkeit Anwalt zu werden, steht Dir somit auch eine Tätigkeit als Richter offen. Dazu musst Du allerdings zu den Besten Deines Berufsfeldes gehören, denn die Plätze als Richter sind begrenzt und begehrt.

Als Rechtsanwalt kannst Du beispielsweise in einer Großkanzlei Karriere machen. Mit Engagement, Fleiß und etwas Glück kannst Du dort bis zum teilhabenden Partner der Kanzlei aufsteigen. Alternativ kannst Du Dich selbstständig machen und eine eigene Kanzlei eröffnen.

Als Staatsanwalt ist gerichtsintern ein Aufstieg möglich. So können Staatsanwälte mit einem Job beim Amtsgericht anfangen und zum Landgericht, Oberlandesgericht oder sogar Bundesgerichtshof aufsteigen.

Mit Qualifikationen wie einem zusätzlichen Master Grad, einem Doktortitel oder fachbezogenen Fremdsprachenkenntnissen kannst Du Deine Karriereaussichten deutlich verbessern. Einige Kanzleien bieten auch Weiterbildungskurse für Neueinsteiger an. Des Weiteren kann es hilfreich sein, sich während des Studiums auf lukrative und / oder gesuchte Fachbereiche zu spezialisieren.

Welches Gehalt verdiene ich?

Häufig ist der Wunsch, Anwalt zu werden, nicht zuletzt auf die guten Gehaltsaussichten von Juristen zurückzuführen. Juristen gehören in Deutschland zu den Spitzenverdienern.

Das Gehalt von Staatsanwälten ist durch die Besoldungsgruppe R festgelegt. Das genaue Gehalt variiert dabei je nach Bundesland. Das Einstiegsgehalt auf der Stufe R1 beträgt etwa zwischen 3.400 € und 3.700 € brutto monatlich. Auf der Stufe R10 verdienst Du als Staatsanwalt bis zu 12.000 € brutto monatlich.

Bei Rechtsanwälten ist das Gehalt weniger festgelegt. Es variiert je nachdem, ob Du in einem Unternehmen in der Rechtsberatung arbeitest oder in einer Kanzlei angestellt bist. Rechtsanwälte mit Personalverantwortung verdienen deutlich besser als diejenigen ohne Personalverantwortung. Des Weiteren spielt die Berufserfahrung eine große Rolle. Zur groben Orientierung: Das Einstiegsgehalt von angestellten Rechtsanwälten in einer Kanzlei beträgt etwa 3.000 €. Bei einer Großkanzlei kann es sogar zwischen 6.000 € und 10.000 € brutto monatlich betragen. Allerdings erwarten die Arbeitgeber dann auch entsprechenden Einsatz und lange Arbeitszeiten.

Einige Absolventen finden nach dem Studium keine Festanstellung. In diesem Fall arbeiten sie häufig freiberuflich und verdienen deutlich weniger.

Anwalt werden – Alternativen

Wer Anwalt werden möchte, für den gibt es keine Alternative zum Universitätsstudium und dem anschließenden Rechtsreferendariat. Allerdings haben sich gerade im Rahmen des Bologna-Prozesses – also der Umstellung auf Bachelor und Master – einige Alternativen zum klassischen Jura Studium etabliert.

Viele Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland bieten ein Bachelor sowie Master Studium der Rechtswissenschaften an. Der Abschluss dieser Studiengänge erlaubt Dir zwar nicht, Anwalt zu werden, Du kannst mit ihnen aber eine juristische Tätigkeit ausüben. Absolventen dieser Studiengänge arbeiten beispielsweise bei Wirtschaftsunternehmen als Wirtschaftsjurist, in der Steuerberatung oder bei Versicherungen.

Die Bachelor und Master Studiengänge im Bereich der Rechtswissenschaften führen zum akademischen Grad des Bachelor beziehungsweise Master of Laws. Diese akademischen Grade sind international anerkannt. Ein entsprechendes Studium ist auch an Fernhochschulen oder als Duales Studium möglich.

Hast Du ein Bachelor Studium in den Rechtswissenschaften begonnen, entschließt Dich aber während oder nach dem Studium, doch Anwalt werden zu wollen, ist ein Wechsel ins klassische Jura Studium möglich. Die Leistungen aus Deinem Studium kannst Du dabei in der Regel anrechnen lassen. Du startest dann direkt in einem höheren Fachsemester.

Eine weitere Alternative ist eine Ausbildung in einem juristischen Beruf beispielsweise zum Rechtsanwaltsfachangestellten. Einen Überblick über die entsprechende  Ausbildung  bietet die Bundesagentur für Arbeit.

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