Archäologe werden

Wie werde ich eigentlich Archäologe

Willst Du Archäologe werden, benötigst Du dafür in Deutschland ein erfolgreich abgeschlossenes Hochschulstudium. Meist ist ein Master Grad und zusätzliche eine Promotion erforderlich.

Warum Archäologe werden?

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Was Archäologen so alles finden.

Archäologe zu werden, ist für viele ein Kindheitstraum. Kein Wunder, bietet die Archäologie doch ein spannendes und vielfältiges Berufsfeld. Archäologen erforschen alte Kulturen, graben Relikte unserer Vorfahren aus und sammeln neue Erkenntnisse über die Geschichte des Menschen. Archäologen leisten damit einen wichtigen Beitrag zur Rekonstruktion und Interpretation früherer Gesellschaften. Dabei gräbt ein Archäologe nicht nur im Dreck, oft muss er bei der Auswertung der Funde auch als Detektiv tätig sein.

Archäologie studieren und Archäologe werden

Wer in Deutschland Archäologe werden will, kann dies nur im Rahmen eines akademischen Hochschulstudiums an einer Universität. Das Bachelor Studium umfasst eine Regelstudienzeit von 6 bis 8 Semestern, das anschließende Master Studium weitere 2 bis 4 Semester. Nur mit einem Bachelor Abschluss kannst Du nicht als Archäologe tätig werden.

Archäologen werden häufig mit Paläontologen verwechselt. Zwischen beiden gibt es aber einen entscheidenden Unterschied: Archäologen beschäftigen sich mit menschlichen Relikten, während Paläontologen die Lebewesen und Natur vor Erscheinen des Menschen auf der Erde erforschen.

Archäologe / Archäologin
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Zulassungsvoraussetzungen zum Archäologie Studium

Möchtest Du Archäologie studieren, benötigst Du als Grundvoraussetzung das Abitur. Darüber hinaus sind je nach Fachrichtung bestimmte Fremdsprachenkenntnisse, wie etwa Latein oder Griechisch, obligatorisch. Von angehenden Archäologen werden auch häufig Sprachkenntnisse in Englisch, Italienisch oder Französisch gefordert, da Du im Studium meist fremdsprachige Fachliteratur liest. Darüber hinaus können Dich je nach Hochschule weitere Zulassungsvoraussetzungen, wie ein Numerus clausus (NC), erwarten.

Um Archäologe zu werden, solltest Du vor allem flexibel und belastbar sein und ein Interesse für Geschichte mitbringen. Ausgrabungen sind harte Arbeit und erfordern körperliche Fitness. Die Arbeit im Freien – auch bei Wind und Wetter – sollte Dir über Jahre hinweg Spaß machen. Außerdem solltest Du Dich insbesondere bei Grabungen im Ausland schnell an fremde Lebensbedingungen anpassen können. Darüber hinaus sind Teamfähigkeit und Sozialkompetenz wichtige Eigenschaften eines Archäologen.

Zu bedenken gilt auch, dass Archäologen lediglich einen Teil ihrer Arbeitszeit auf Ausgrabungen verbringen. Bei der Zusammensetzung, Beschriftung oder Interpretation der Funde im Labor oder am Schreibtisch ist zusätzlich Sorgfalt und Durchhaltevermögen gefragt.

Studienverlauf

Der Fachbereich Archäologie umfasst viele einzelne Studienrichtungen. Diese kannst Du entweder als eigenständigen Studiengang oder als Schwerpunkt im Rahmen eines historisch-kulturwissenschaftlichen Studiums belegen. Folgende Studienrichtungen bieten Universitäten in Deutschland im Bereich Archäologie an:

  • Ur- und Frühgeschichte
  • Provinzialrömische Archäologie
  • Mittelalterarchäologie
  • Klassische Archäologie
  • Ägyptologie
  • Christliche Archäologie
  • Altamerikanistik
  • Vorderasiatische Archäologie / Altorientalistik
  • Neuzeitarchäologie
  • Industriearchäologie

Um das grundlegende archäologische Handwerkszeug zu erlernen, besuchst Du zunächst Vorlesungen, Übungen und Seminare. Diese sind thematisch gegliedert und in Module zusammengefasst. Einige davon sind Pflicht, andere kannst Du nach Deinen Interessen wählen. Die Module beendest Du mit einer Modulprüfung. Die Noten aus diesen Prüfungen ergeben zusammen mit der Note aus Deiner Abschlussarbeit die Endnote Deines Studiums. Während des Studiums schreibst Du Hausarbeiten und Klausuren, hältst Referate und sammelst Credit Points.

Willst Du Archäologe werden, reicht es jedoch nicht, nur die Theorie zu lernen. Du musst Deine theoretischen Kenntnisse auch praktisch anwenden. Daher absolvierst Du bereits während Deines Studiums Praktika und nimmst an Exkursionen teil. Durch die Praxisphasen lernst Du die Arbeitsabläufe bei einer Ausgrabung kennen oder Du hilfst in einem Museum bei der Konzeption und Gestaltung einer Ausstellung.

Das Archäologie Studium beendest Du in der Regel nach 6 bis 8 Semestern mit der Bachelorarbeit und der Verleihung des Bachelor of Arts (B.A.).

Im anschließenden Master Studium kannst Du Dich auf einen bestimmten Bereich der Archäologie spezialisieren, zum Beispiel:

  • Unterwasserarchäologie
  • Prähistorische Archäologie
  • Frühgeschichtliche Archäologie und Archäologie der römischen Provinzen
  • Christliche Archäologie und Byzantinische Kunstgeschichte
  • Altorientalische Philologie

Studieninhalte

Während des Archäologie Studiums erwirbst Du zunächst fundiertes Fachwissen in mindestens einer archäologischen Disziplin, wie etwa der Klassischen Archäologie oder der Früh- und Vorgeschichtlichen Archäologie. Darüber hinaus machst Du Dich mit den archäologischen Methoden vertraut und Du sammelst praktische Erfahrungen in der Feldforschung und bei Ausgrabungen.

Je nach Hochschule und Fachrichtung variieren Anzahl und Inhalte der zu absolvierenden Module. Möchtest Du klassischer Archäologe werden, können Dich zum Beispiel folgende Studieninhalte erwarten:

  • Einführung in die Klassische Archäologie
  • Methoden und Wissenschaftsgeschichte der Klassischen Archäologie
  • Griechische Archäologie
  • Römische Archäologie
  • Provinzialrömische Archäologie
  • Griechische Vorgeschichte
  • Italische Vorgeschichte
  • Stil- und Formenkunde (Architektur, Plastik, Keramik, Malerei, Mosaiken, Ikonographie)
  • Mythologie
  • Denkmäler einer Epoche, eines Ortes oder einer Region
  • Praktika mit Originalen und Abgüssen
  • Archäologische Ausgrabungs- und Vermessungspraktika
  • Museumspraktische Übungen
  • Exkursionen

Da Archäologen für ihre Arbeit naturwissenschaftliche und technische Kenntnisse benötigen, stehen beispielsweise auch Fächer wie Archäometrie oder Vermessungstechnik auf dem Lehrplan. Fremdsprachenkenntnisse sind unerlässlich, wenn Du Archäologe werden möchtest. Bringst Du diese nicht mit, musst Du sie im Verlauf Deines Studiums erwerben.

Studienmöglichkeiten

Mehr als 30 deutsche Universitäten bieten das Archäologie Studium an. Klassische Archäologen werden zum Beispiel an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, der Universität Erlangen-Nürnberg oder der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg ausgebildet. Einen guten Ruf für das Studium der Vor- und Frühgeschichte genießen die Philipps-Universität Marburg und die Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Daneben kannst Du an der Universität Leipzig Ägyptologie oder an der Technischen Universität Bergakademie Freiberg Industriearchäologie belegen. Außerdem besteht die Möglichkeit, im Rahmen eines Fernstudiums an der University of Leicester Archäologe zu werden. Informationen zu beliebten archäologischen Studiengängen in Deutschland findest Du in der folgenden Tabelle:

Professor Helmuth Albrecht von der Technischen Universität Bergakademie Freiberg erklärt, wie Du Industriearchäologe werden kannst.

Abschluss

Am Ende Deines Bachelor Studiums in Archäologie bekommst Du den akademischen Grad des Bachelor of Arts verliehen. Grundsätzlich soll der Bachelor ein berufsqualifizierender Abschluss sein. Wenn Du Archäologe werden möchtest, ist das Bachelor Studium aber nur der erste Schritt. Darüber hinaus benötigst Du den Master of Arts (M.A.) in einem archäologischen Studienfach und in der Regel die Promotion.

Nach dem Archäologie Studium?

Archäologen haben nach dem Studium nicht selten Schwierigkeiten beim Berufseinstieg. Offenen Stellen steht in der Regel eine Vielzahl an hochqualifizierten Bewerbern gegenüber. Daher solltest Du bereits während Deines Studiums erste Kontakte durch Praktika knüpfen und Praxiserfahrung sammeln. Hilfreich für eine spätere Tätigkeit im öffentlichen Dienst sind meist Stellen als Studentische Hilfskraft, zum Beispiel in einem Museum oder an der Universität. Um überhaupt Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben, solltest Du nach dem Master Studium unbedingt promovieren.

Interview mit Professor Dr. Harald Meller, Direktor des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie in Sachsen-Anhalt, über das Archäologie Studium und Berufsaussichten für Archäologen

Welche Aufgaben übernehme ich als Archäologe?

Je nach Fachbereich hast Du als Archäologe unterschiedliche Aufgaben. Im Rahmen eines Forschungsprojektes leitest Du beispielsweise eine Ausgrabung. Die dabei frei gelegten Fundstücke nummerierst, dokumentierst und interpretierst Du in Zusammenhang mit ihrem Fundort. Aber nicht nur die Arbeit im Freien, auch die Recherche in Quellen und Fachbüchern ist für die korrekte geschichtliche Einordnung Deiner Ausgrabungen unabdingbar. Der Vergleich mit anderen Funden beziehungsweise Fundorten gehört ebenfalls zu Deinem Aufgabenbereich als Archäologe.

Wie erfolgt der Berufseinstieg?

Der Berufseinstieg verläuft für Archäologen nicht immer einfach. Die Promotion gilt mittlerweile als Pflicht. Ohne praktische Erfahrungen durch Praktika, eine Tätigkeit als Studentische Hilfskraft oder als Grabungshelfer ist es mittlerweile nahezu unmöglich, Archäologe zu werden. Viele Stellen, insbesondere im öffentlichen Dienst, sind zeitlich befristet. Die Regel sind Zeitverträge für projektbezogene Tätigkeiten, etwa bei der Vorbereitung von Sonderausstellungen in Museen.

Die meisten Archäologen arbeiten im öffentlichen Dienst. Hier gelingt der Berufseinstieg meist über ein Volontariat. Im Volontariat absolvierst Du innerhalb von 12 bis 24 Monaten eine weitere Ausbildung und lernst die Arbeitsabläufe und Dienstwege kennen. Arbeitsmöglichkeiten hast Du:

  • In Museen
  • Bei Bodendenkmalpflegeämtern
  • An Universitäten
  • In Forschungsinstituten

Auch private Grabungsfirmen suchen hin und wieder nach Archäologen, ebenso wie internationale Organisationen. Archäologen werden zudem bei Fachverlagen- und Zeitschriften, im Kulturmanagement oder in der Tourismus-Branche eingesetzt. Du kannst Dich auch mit einer eigenen Grabungsfirma selbstständig machen.

Welches Gehalt verdiene ich?

Der Verdienst eines Archäologen variiert je nach Arbeitgeber, Dienstort und persönlicher Qualifikation. Als Berufseinsteiger verdienst Du in der Regel nicht mehr als 1.700 € brutto pro Monat. Mit steigender Berufserfahrung kannst Du als angestellter Archäologe im öffentlichen Dienst mit einem monatlichen Bruttogehalt von 3.500 bis 4.700 € rechnen.

Archäologe werden – Alternativen

Wenn Du Archäologe werden möchtest, gibt es zu einem Universitätsstudium keine Alternative. Verfügst Du nicht über das Abitur oder möchtest Du nicht den langen Ausbildungsweg mit Bachelor, Master und Promotion auf Dich nehmen, kannst Du trotzdem im Bereich der Archäologie arbeiten.

Eine Möglichkeit ist eine Tätigkeit als Grabungshelfer. Dafür benötigst Du in der Regel keine gesonderte Ausbildung. Grabungshelfer unterstützen Archäologen bei der Ausgrabung, indem sie das Graben mit Bagger, Schaufel und Hacke übernehmen. Auch bei der Bergung der Funde sind Grabungshelfer tätig. Sie entfernen den Schmutz von den Fundstücken, nummerieren und verpacken sie sachgerecht.

Eine Alternative zum Archäologie Studium kann eine Ausbildung zum Grabungstechniker sein. Grabungstechniker übernehmen die technische Leitung von archäologischen und paläontologischen Ausgrabungen. Sie erschließen die Fundstellen und wenden dafür spezielle Grabungs-, Dokumentations- und Fundbergungstechniken an. Zu ihren Aufgaben gehören die Erkundung der Ausgrabungsstätte, die Vor- und Nachbereitung der Grabungen sowie die sachgerechte Bergung und Lagerung der Funde. Grabungstechnik erlernst Du im Rahmen einer 3-jährigen Weiterbildung oder durch ein Fachhochschulstudium. Eine handwerklich-technische Berufsausbildung, beispielsweise als Tischler oder KFZ-Mechatroniker, ist meist Voraussetzung für eine Ausbildung zum Grabungstechniker.

Verfügst Du über die Fachhochschulreife, kann auch ein Studium zum Restaurator interessant sein. Restauratoren sind für die Erhaltung und Wiederherstellung der archäologischen Fundstücke zuständig. Meist arbeiten sie in Laboren und speziellen Werkstätten in Museen oder öffentlichen Einrichtungen.

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